STADTARCHIV UND STADTBIBLIOTHEK SCHWEINFURT

Seit Beginn der städtischen Verwaltungstätigkeit in Schweinfurt im Mittelalter ist es Aufgabe des Stadtarchivs Schweinfurt, die Urkunden, Amtsbücher und Akten zu bewahren. Bis zum Ende der Reichsstadtzeit diente es ausschließlich der Verteidigung reichsstädtischer Gerechtsame nach außen und innen, als Gedächtnis der Verwaltung und Rechtspflege. Im 19. Jahrhundert kam als Aufgabe hinzu, geschichtliche Zeugnisse für die Forschung zugänglich zu machen.

Bedingt durch die fast vollständige Vernichtung des Archivs im Zweiten Markgräflerkrieg (1554) setzt die archivalische Überlieferung - von wenigen Ausnahmen abgesehen (u.a. Urkunden ab 1310, Einnehmerrechnung 1486 – 1506) - erst in der zweiten Hälfte der 50er Jahre des 16. Jahrhunderts ein.

Gegenstand archivischer Verwahrung und Betreuung ist heute das gesamte Schrift-, Bild- und Tongut, das bei der Tätigkeit der städtischen Dienststellen, aber auch sonstiger Einrichtungen, Verbände, Betriebe, Vereine oder Einzelpersonen ensteht, soweit es wegen seines rechtlich-verwaltungsmäßigen, seines historischen, aber auch seines wissenschaftlich-technischen oder künstlerischen Quellenwertes zu dauernder Aufbewahrung bestimmt wird.

Neben der Aufgabe, archivwürdiges Registraturgut der genannten Stellen zu übernehmen, wird durch gezielte Sammlungstätigkeit eine sogenannte Ergänzungsdokumentation betrieben, um den durch Kriegseinwirkung oder gezielte Vernichtung verursachten Schwund an Registraturgut auszugleichen und eine möglichst breite Überlieferungsbildung zu ermöglichen.

Die wissenschaftliche Stadtbibliothek ist organisatorisch mit dem Stadtarchiv vereinigt und hat zur Zeit einen Bestand von ca. 68.000 Bänden. Die Benützung von Sonderbeständen und Werken, die älter als hundert Jahre sind, ist nur im Lesesaal der Bibliothek möglich. Alle anderen Werke können, wenn ihr Erhaltungszustand dies zuläßt, nach Hause entliehen werden. Der Bibliotheksbestand steht auch im deutschen Leihverkehr zur Verfügung.

Die über 100 astronomischen Bücher und Handschriften aus dem Nachlaß der Altdorfer Gelehrten Johannes Praetorius (1537 – 1616) und Petrus Saxonius (1591 – 1625) bilden einen ihrer wertvollsten Teile; darunter fällt auch das 1543 erschienene Hauptwerk des Copernicus De revolutionibus orbium coelestium libri sex.

Ihren wichtigsten Zuwachs erfuhr die Stadtbibliothek 1813 durch die Stiftung der Bibliothek des Schweinfurter Stadtphysicus und Gründers der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, Johann Laurentius Bausch (1605 – 1655). Die heute 1.832 im Stadtarchiv Schweinfurt nachweisbaren Bände mit ca. 5.000 Titeln werden seit 1995 in der Bibliothek Otto Schäfer museal präsentiert. Von der „Bausch-Bibliothek“ stammen ca. 2/3 aus dem Besitz des Johann Laurentius Bausch und seines Vaters und Amtsvorgängers Leonhard Bausch (1574 – 1616); das übrige Drittel entfällt auf die Familie Schmidt, die Erben der Bibliothek. Diese nahezu vollständig erhaltene Gelehrtenbibliothek, die sich von 1603 bis 1723 im Besitz der jeweiligen Stadtphysici befand, ist für die Wissenschaftsgeschichte von großer Bedeutung. 1999 fand eine Ausstellung über die „Bausch-Bibliothek“ mit dem Titel „Wissenschaft und Buch in der Frühen Neuzeit“ statt. Anfang 2004 soll ein vollständiges Verzeichnis der „Bausch-Bibliothek“ erscheinen.

Neben der Schweinfurter Stadtgeschichte und der fränkischen Landesgeschichte bildet die Sammlung der Veröffentlichungen der Leopoldina einen Sammlungsschwerpunkt. Die Leopoldina begründete 1670 mit den Miscellanea curiosa medico-physica Academiae Naturae Curiosorum sive Ephemeridum medico-physicarum Germanicarum curiosarum die erste speziell wissenschaftlich-medizinische Zeitschrift überhaupt. Gemeinsam mit der Leopoldina werden in Schweinfurt auch Symposien veranstaltet.

Einen weiteren Schwerpunkt der Sammlung bildet der Dichter und Sprachgelehrte Friedrich Rückert (1788 – 1866). 1957 wurde die Sammlung Dr. Rüdiger Rückert erworben, und zusammen mit der kontinuierlich aufgebauten eigenen Sammlung von Drucken und Manuskripten verfügt das Stadtarchiv heute über den bedeutendsten archivalischen Fundus zu Leben und Werk Rückerts. Durch verwandtschaftliche Beziehungen Rückerts mit den Familien Bertuch und Froriep in Weimar ist weiteres wertvolles Material zur Kultur- und Wissenschaftsgeschichte von der Weimarer Klassik bis ins frühe 20. Jahrhundert vorhanden.

Von 1989 bis 2008 hat das Stadtarchiv 30 Werke veröffentlicht, die in den folgenden Reihen publiziert wurden:

 

Adresse: Stadtarchiv und Stadtbibliothek Schweinfurt
Martin-Luther-Platz 20
97421 Schweinfurt
Tel.: 09721-51383
Fax: 09721/889383
E-Mail: stadtarchiv@schweinfurt.de
Internet: www.schweinfurt.de
Leiter: Dr. Uwe Müller

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