MUSEUMSZENTRUM LORSCH

Das Museumszentrum Lorsch wurde 1995 eröffnet und umfaßt als Regionalmuseum im Süden Hessens drei größere Sammlungsschwerpunkte: den gesamten volkskundlichen Sammlungsbestand des Hessischen Landesmuseums Darmstadt, das kulturhistorisch bedeutende Tabakmuseum der Stadt Lorsch und eine dem Kloster Lorsch gewidmete Abteilung der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, der im übrigen auch die gesamte Liegenschaft „ehemaliges Benediktinerkloster Lorsch“ angegliedert ist. Diese Sammlungen finden nicht nur das Interesse der Museumsbesucher; sie sind vielmehr Gegenstand und Anlaß zu vielfältigen historischen Forschungen und Austausch über Forschungsaktivitäten, die von der Mediävistik über die Kulturgeschichte bis zur Archäologie und Kunstgeschichte reichen.

Die mittelalterlich-archäologische Erforschung des Klosters Lorsch, seit 1991 in Anbetracht der auch im europäischen Kontext bemerkenswerten kulturgeschichtlichen Bedeutung als Weltkulturdenkmal der UNESCO gewürdigt, ist das derzeit zentrale wissenschaftliche Anliegen. Im Jahre 2000 wird bereits die dritte archäologische Kampagne im Klosterareal stattfinden, wobei das Projekt vom Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit der Universität Bamberg betreut und organisiert wird. Jeweils im Dezember eines jeden Jahres werden dann die Ergebnisse einem größeren Kreis von Fachleuten aus dem Bereich der Mittelalterarchäologie in Lorsch, d.h. vor Ort der Grabung vorgestellt und zur Publikation vorbereitet. Bei diesen wissenschaftlichen Symposien liegt der Schwerpunkt auf dem interdisziplinären Dialog zwischen der Archäologie, der Philologie, der Kunstgeschichte, der Bauforschung und - besonders deutlich - den historischen Hilfswissenschaften.

Das Museumszentrum Lorsch sucht auf diese Weise seine zentrale geographische Lage im Mittelpunkt eines engeren Kreises bedeutender Hochschulen (Heidelberg, Mannheim, Mainz, Darmstadt, Frankfurt, Würzburg) in der Form umzusetzen, daß Lorsch sich zu einer Stätte wissenschaftlicher Begegnung inmitten einer kulturgeschichtlich hochinteressanten Region entwickelt und etabliert. Dazu gehört auch, daß die Sammlungen stets ergänzt und erweitert werden, wie die mit Hilfe eines Mannheimer Mäzens geförderte und ab diesem Jahr aufzubauende Kurpfalzbibliothek und -mediathek zur Südhessen und Kurpfalz übergreifenden Regionalgeschichte als Beispiel zeigt.

Bedeutsam sind ebenso die nationalen und internationalen Fachtagungen am Ort des Klosters. Hierzu gehören „Einhard - Leben und Werk“ (1995), „Wandmalerei des frühen Mittelalters“ (1996), „Das Lorscher Evangeliar - eine Zimelie der Buchkunst des abendländischen Frühmittelalters“ (1999). Die Ergebnisse sind zumeist in Kooperation mit der Hessischen Historischen Kommission publiziert.

1999 fand die erste größere Ausstellung mit Leihgaben aus Rumänien und aus dem Vatikan statt: „Das Lorscher Evangeliar“, das bekanntlich an vier verschiedenen Stellen an drei Orten überliefert ist, konnte zum ersten Mal wieder in Textteilen aus Alba Iulia und aus der Vatikanischen Bibliothek gezeigt werden. Für die nächsten Jahre sind weitere Ausstellungen mit vatikanischen Leihgaben vorgesehen, zum Teil in Verbindung mit Kolloquien.

Zu größeren Veröffentlichungen gehört die erste vollständige textkritische Edition des Necrologium Laureshamense (Lorscher Totenbuch). Sie steht am Anfang einer intensiveren Beschäftigung mit Quellen, die bisher noch nicht ediert wurden und von großer Bedeutung für die Geschichte des Klosters als eines von mehreren politischen und bildungsorientierten Zentren des Mittelalters sind. Hierzu gehören in erster Linie Dokumente, die für die Rekonstruktion der bisher vernachlässigten hoch- und spätmittelalterlichen Geschichte des Klosters wichtig sind, aber auch Texte aus den rund 300 auf weltweit über 50 Bibliotheken und Archive verstreuten Handschriften der einstigen Klosterbibliothek. Insgesamt wird eine intensive und interdisziplinäre Erforschung der mittelalterlichen und neuzeitlichen Bildungs- und Kulturgeschichte angestrebt (auch in Zusammenarbeit mit dem interdisziplinären, an der Universität Bamberg angesiedelten Zentrum für Mittelalterforschung sowie den umliegenden Universitäten und ihren Historischen Seminaren).

Adresse:

Museumszentrum Lorsch
c/o Magistrat der Stadt Lorsch
Herrn Hans Schuchmann
Kaiser-Wilhelm-Platz 1
64653 Lorsch

Tel.: 06251-5967-206
Fax: 06251-5967-200
E-Mail:

muz@kloster-lorsch.de
h.schuchmann@lorsch.de

Internet: www.kloster-lorsch.de/muz/muz.html
Leiter: Hans Schuchmann

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