Die Kommission für bayerische Landesgeschichte wurde 1927
durch einen Beschluß des bayerischen Ministerrats gegründet und unter
Einräumung weitgehender Selbständigkeit der Bayerischen Akademie der
Wissenschaften in München angegliedert. Ihre Aufgabe ist seitdem die Förderung
und Zusammenfassung der planmäßigen Erforschung und Bearbeitung der bayerischen
Landesgeschichte einschließlich der fränkischen und schwäbischen Gebiete des
heutigen Freistaats. Sie arbeitet deshalb eng mit der Gesellschaft für
fränkische Geschichte und
der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft zusammen und hat dauerhaft je-
weils einen wissenschaftlichen Mitarbeiter nach Augsburg und nach Nürnberg
abgeordnet.
Die Kommission besteht derzeit aus 52 ehrenamtlich tätigen Mitgliedern aus dem Bereich der bayerischen Landesgeschichte und einschlägiger benachbarter Disziplinen. Sie ergänzt sich selbst durch regelmäßige Zuwahlen. In ihren Jahressitzungen beschließt sie das Arbeitsprogramm, an dessen Bewältigung einzelne Festangestellte und eine Reihe von freien Mitarbeitern beteiligt sind. Die Gesamtleitung liegt in den Händen des ehrenamtlich tätigen Ersten Vorsitzenden, dem ein hauptamtlicher Wissenschaftlicher Sekretär zur Seite steht.
Projekte und Publikationen
Die eigene Forschungstätigkeit hat ihren Schwerpunkt in zwei Bereichen: der historischen Atlas- und Ortsnamenforschung und der Quellenpublikation.
Im Projekt des Historischen Atlas von Bayern wird auf der Basis der altbayerischen Landgerichte bzw. der Landkreise (vor der Gebietsreform 1972) eine flächendeckende und umfassende Bestandsaufnahme der Herrschafts- und Verwaltungszustände vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart angestrebt, die in ein bis zwei Kartenbeilagen zu den Textbänden dokumentiert wird. Zudem bieten die einzelnen Atlasbände mit der Darstellung der jeweiligen Verfassungs- und Verwaltungsentwicklung seit dem Frühmittelalter in mikroskopischer Methode ebenso Beiträge zur allgemeinen Geschichtsforschung wie die thematisch und regional breiter angelegten, ergänzenden Studien zur Verfassungs- und Sozialgeschichte. Parallel zu den Atlasforschungen wird im Historischen Ortsnamenbuch von Bayern für alle bestehenden und abgegangenen Orte die Entwicklung der Ortsnamen und der Siedlungsgeschichte sowie die sprachlich-namenkundliche Deutung dokumentiert. Atlas und Ortsnamenbuch, für die seit 1950 bereits ein Großteil des heutigen Freistaats bearbeitet worden ist, bieten das Material für eine künftige umfassende historisch-topographische Landesbeschreibung Bayerns.
Bei den Quellenpublikationen, die sich grundsätzlich chronologisch und thematisch umfassend auf die gesamte bayerische Geschichte beziehen, sind arbeitsökonomische Schwerpunktsetzungen nötig. Für das Mittealter treten neben die bereits vorangeschrittene Edition vor allem klösterlicher Traditionsnotizen in den Quellen und Erörterungen zur bayerischen Geschichte nunmehr die Regesten zur bayerischen Landesgeschichte; neben den Bischofsurkunden wird hier in einem neuen Projekt die Bearbeitung der bayerischen Herzogsurkunden in Angriff genommen. In der frühen Neuzeit liegt der Schwerpunkt in der Herausgabe von Briefcorpora, insbesondere in der Bayerischen Gelehrtenkorrespondenz sowie in Gesandtschaftsberichten des 17. und 18. Jahrhunderts. Für die neueste Zeit ist in Kürze mit den ersten Bänden der Protokolle des Bayerischen Ministerrats 1919-1945 zu rechnen. Zahlreiche kleinere Projekte werden entweder unmittelbar namens der Kommission durchgeführt, wie etwa die Sammlung von Bayerischen Rechtsquellen, oder im Zusammenwirken mit anderen Institutionen gefördert. An ein breiteres Publikum wendet sich die Sammlung und Kommentierung der Quellen der Dokumente zur Geschichte von Staat und Gesellschaft in Bayern.
Als bedeutendstes Periodicum der bayerischen Landesgeschichtsforschung gibt die Kommission seit 1928 die Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte heraus, die neben thematisch weit gestreuten Forschungsbeiträgen einen umfangreichen Rezensionsteil enthält und zusammen mit der alljährlichen Landesgeschichtlichen Zeitschriftenschau und dem Dissertationenverzeichnis zur bayerischen Geschichte eine zentrale Rolle in der wissenschaftlichen Kommunikation der bayerischen Landesgeschichtsforschung einnimmt; einschlägige Servicefunktionen werden gleichzeitig auf der Homepage der Kommission im Internet angeboten.
Der Förderung herausragender Forschungsleistungen dient deren Publikation in den Monographien der Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte, die ebenso wie alle übrigen Kommissionspublikationen in Eigenregie redaktionell betreut und produziert werden.
In Randbereichen zu Nachbardisziplinen der Geschichtswissenschaft werden vor allem zwei Schwerpunkte gesetzt: Im Bereich der Vor- und Frühgeschichte geschieht dies mit der Herausgabe der einzigen gesamtbayerischen Fachzeitschrift, den Bayerischen Vorgeschichtsblättern, deren jährliche Beihefte (Fundchronik) zudem alle archäologischen Funde in Bayern dokumentieren. Daneben stehen auf der breiten organisatorischen Grundlage eines eigenen Instituts für Volkskunde der Kommission und seiner umfangreichen Materialsammlungen die Herausgabe des Jahrbuchs für Volkskunde mit einer umfassenden internationalen Jahresbibliographie sowie die Produktion von Monographien in den Bayerischen Schriften zur Volkskunde und den Quellen und Studien zur musikalischen Volkstradition in Bayern.
| Adresse: | Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie
der Wissenschaften Alfons-Goppel-Straße 11 80539 München |
| Tel.: | 089-23031-1171, -1172 |
| Fax: | 089-23031-1333 |
| E-Mail: | post@kbl.badw.de |
| Internet: | http://www.kbl.badw.de |
| 1. Vorsitzender: | Prof. Dr. Alois Schmid |
| 2. Vorsitzender: | Prof. Dr. Hermann Rumschöttel |
| Wiss. Sekretär: | Dr. Thomas Horling |
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