Das Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung (IGM) ist das einzige außeruniversitäre medizinhistorische Forschungsinstitut in der Bundesrepublik. Es wurde im Jahre 1980 errichtet, seiner Gründung geht aber eine jahrzehntelange Entwicklungsgeschichte voraus. Administrativ gehört das IGM zum Robert-Bosch-Krankenhaus, an dem bereits in den 1960er und 1970er Jahren eine Medizinhistorische Forschungsstelle, die Vorläuferinstitution des IGM, angesiedelt war. Das Institut verdankt seine Entstehung dem Interesse des württembergischen Industriellen Robert Bosch (1861-1942) an der Geschichte des Gesundheitswesens im allgemeinen und der Homöopathie im besonderen. Das IGM ist eine Einrichtung der Robert Bosch Stiftung GmbH, die heute zu den großen Industriestiftungen in Deutschland gehört.
Aufgaben und Projekte
Die Arbeitsschwerpunkte des Instituts liegen auf zwei Gebieten, die an deutschen Universitäten bislang noch nicht oder nur unzureichend institutionalisiert sind, nämlich auf der Geschichte der Homöopathie sowie auf der Sozialgeschichte der Medizin. Die Projekte in beiden Bereichen konzentrieren sich gegenwärtig auf die Patientengeschichte. Flankiert werden diese Forschungen durch Fortbildungsverstaltungen verschiedenster Art.
Archiv
Das Archiv des IGM bewahrt den Nachlaß von Samuel Hahnemann (1755-1843), seiner zweiten Frau Mélanie, geb. d’Hervilly (1800-1878), sowie wichtiger Schüler und Nachfolger, insbesondere von Clemens (1785-1864) und Friedrich von Boenninghausen (1828-1910) auf. Neben Werkmanuskripten und den 55 Krankenjournalen sind über 5.400 Patientenbriefe an Hahnemann besonders bemerkenswert. Auch der Nachlaß von Boenninghausen umfaßt u.a. ca. 150 Krankenjournale. Durch aktive Sammeltätigkeit der letzten Jahre kamen Nachlässe weiterer homöopathischer Ärzte und von vielen Institutionen wie homöopathischen Laienvereinen, dem Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte und der Internationalen Liga homöopathischer Ärzte dazu. Auch konnte das Schriftgut weiterer Patientenvereinigungen für Homöopathie und Naturheilverfahren sowie Patientenkarteien von Arztpraxen übernommen werden. Damit beherbergt das Archiv die weltweit bedeutendste Sammlung von Quellen zur Homöopathiegeschichte. Daneben besteht eine Objektsammlung, die ebenfalls aus dem Nachlaß von Samuel Hahnemann hervorgegangen ist und ständig ergänzt wird. Die Dokumentation zur Homöopathie in der Gegenwart ist mit EDV erschlossen. Die ebenfalls mit EDV recherchierbare Bildsammlung umfasst mehrere hundert Bilder zur Geschichte der Homöopathie in der ganzen Welt.
Bibliothek
Die Bibliothek des IGM ist eine öffentlich zugängliche Bibliothek (mit
beschränkter Ortsleihe) und hat den Charakter einer Magazinbibliothek. Über
entsprechende Kataloge können die ca. 30.000 Monographien, Zeitschriften und
Sonderdrucke recherchiert werden. Im Institut gibt es zwei Sammelschwerpunkte.
Zum einen die Medizingeschichte unter besonderer Berücksichtigung der
Sozialgeschichte der Medizin, zum anderen die Geschichte der Homöopathie.
Ca. 5.000 Bände gehören zum Bereich der Homöopathie und bilden die
Spezialsammlung des Instituts, die in ihrer Fülle einzigartig in der Welt ist.
Der Bestand ist international angelegt und enthält die gesamte Geschichte seit
Hahnemann. Um den Aufgaben einer Spezialbibliothek Sorge zu tragen, wird der
Bestand ständig durch antiquarische Zukäufe erweitert. Zu der homöopathischen
Sammlung liegt ein gedruckter Katalog (Stand 1988) vor, der über den K.F.
Haug-Verlag erworben werden kann (s. Publikationen). Die jährlich erscheinenden
Supplemente mit der Liste der Neuerwerbungen werden im Jahrbuch des Instituts
„Medizin, Gesellschaft und Geschichte“ abgedruckt. Das erste Supplement
erschien im Bd. 6, 1989.
Da die Bibliothek dem Leihverkehr angeschlossen ist, können die Bestände teilweise auch über die Fernleihe (Bibliothekssigle: Stg 255) entliehen werden.
Publikationen
Das IGM gibt eine eigene Zeitschrift Medizin, Gesellschaft und Geschichte heraus, die als Jahrbuch erscheint und die Schwerpunkte „Sozialgeschichte der Medizin“ und „Geschichte alternativer Heilweisen“ hat. Beiträge unterliegen der peer review. Herausgeber: Prof. Dr. Robert Jütte, Redaktion: Dr. Sylvelyn Hähner-Rombach.
Die Beihefte dieser Zeitschrift umfassen Aufsatzbände und Monographien, die interdisziplinär ausgerichtet sind und vorwiegend Themen aus der Sozialgeschichte der Medizin behandeln.
Der Institutsleiter gibt die Kritische Gesamtedition der Krankenjournale Hahnemanns heraus. Sie erscheint seit 1991 im K.F. Haug-Verlag, Stuttgart.
In der Reihe Quellen und Studien zur Homöopathiegeschichte erscheinenherausragende Monographien, Quellensammlungen und Dissertationen zur Geschichte der Homöopathie.
Das IGM vertreibt im Eigenverlag bzw. in Kommission Publikationen und Medien zu seinen Sammlungsbeständen.
| Adresse: | Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung Straußweg 17 70184 Stuttgart |
| Tel.: | 0711-46084-171, -172 (Sekr.) |
| Fax: | 0711-46084-181 |
| E-Mail: | robert.juette@igm-bosch.de |
| Internet: | www.igm-bosch.de |
| Leiter: | Prof. Dr. Robert Jütte |
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