INSTITUT FÜR EUROPÄISCHE GESCHICHTE

Das Institut für Europäische Geschichte in Mainz ist als außeruniversitäres Forschungsinstitut eine gemeinnützige Einrichtung zur Förderung der Wissenschaft. Seine Aufgabe ist die wissenschaftliche Erforschung der europäischen Geschichte. Das Institut erfüllt diese Aufgabe durch Einzel- und Gemeinschaftsvorhaben seiner Mitarbeiter sowie in- und ausländischer Forschungsstipendiaten.

Das Institut für Europäische Geschichte verdankt seine Gründung (1950) den internationalen Historikergesprächen nach dem Zweiten Weltkrieg, in denen vor allem deutsche und französische Teilnehmer sich für eine dauerhafte europäische Zusammenarbeit einsetzten. Ihr Ziel war, durch eine vertiefte Kenntnis der Eigentümlichkeiten, Gemeinsamkeiten und Wechselbeziehungen in den konfessionellen und nationalen Entwicklungen Vorurteile überwinden zu helfen und zu einem besseren Verständnis zwischen den europäischen Völkern beizutragen.

Die Satzung definiert als Hauptaufgaben des Instituts für Europäische Geschichte: »Forschungen zu den religiösen und geistigen Traditionen Europas, ihren Wandlungen und Krisen, speziell zu den kirchlichen Spaltungen, ihren Wirkungen und den Möglichkeiten ihrer Überwindung, mit Blick auf die europäische Identität«, sowie »europabezogene Grundlagenforschung, die geeignet ist, den Prozess des Zusammenwachsens Europas zu begleiten und abzustützen, und die Analyse der je individuellen geschichtlichen Wege der europäischen Staaten und Völker«.

Das Institut, als Stiftung des bürgerlichen Rechts gegründet, ist im Haushalt des Landes Rheinland-Pfalz beim Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur (MBWJK) etatisiert. Die Förderung ausländischer Wissenschaftler am Institut für Europäische Geschichte wird zusätzlich durch Stipendienmittel des Auswärtigen Amtes, zugewiesen durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), unterstützt.

Forschung

Das Institut für Europäische Geschichte versteht sich als die Forschungseinrichtung, welche die historischen Grundlagen des modernen Europa in der Neuzeit in den Blick nimmt.

Zum einen fragen diese Forschungen zu den Grundlagen Europas nach den integrierenden und antagonistischen Bewegungen und Kräften, die dem (geographischen) Kontinent und (kulturellen) Bedeutungszusammenhang ›Europa‹ ein sich über die Jahrhunderte wandelndes, doch gegenüber den anderen Kontinenten distinktes Gepräge gaben. Das Signum Europas sind nicht nur integrative Kräfte und bewusst geschaffene Verklammerungen. Europa war (und ist) gerade durch die zeitlich-räumliche Dichte kleinerer Konflikte und menschheitsbedrohender Kriege geprägt. Die Forschungen zielen also auf die gesamt- und teileuropäischen Kommunikationsverbindungen, die sich durch bi- und multilaterale Transferprozesse ergeben. Die religiösen und konfessionellen Prägungen dieser Transferprozesse sind ein Schwerpunkt der interdisziplinären Arbeit des Instituts.

Zum Zweiten zeichnen diese Forschungen zu den Grundlagen Europas die Geschichte des bewussten Nachdenkens über Europa nach, analysieren die politischen Einigungsversuche, die konkreten Europa-Pläne, die idealen Europa-Vorstellungen und die utopischen Europa-Visionen – das anti-europäische Denken immer mit eingeschlossen. Integraler Bestandteil dieses Ansatzes ist die Historiographiegeschichte, also die Geschichte der Europahistorie.

Drittens umfasst diese Aufgabenstellung eine Theorie- und Methodenreflexion zur historischen Europaforschung. Das Institut für Europäische Geschichte hinterfragt, welchen erkenntnisleitenden Interessen ›europäische‹ Ansätze in den historischen Wissenschaften folgen, und wie diese Standortgebundenheit der Europaforschung methodisch reflektiert werden kann. Der emanzipatorische Gründungsimpetus des Instituts für Europäische Geschichte – historisch gewachsene Vorurteile und Hindernisse für ein friedliches Zusammenleben der europäischen Völker und Konfessionen durch genauere Kenntnisse historischer Entwicklungen zu überwinden – soll mit einem kritisch-distanzierten Blick weiterentwickelt werden.

Derzeit werden vier programmgebundene Forschungsbereiche ausgebaut, die abteilungsübergreifend arbeiten und Stipendiaten einbeziehen:

Diese vier Forschungsbereiche werden durch einen Querschnittsbereich verklammert und durch nicht programmgebundene Forschungen ergänzt.

Wissenschaftliche Serviceleistungen

Das Institut gibt eine Schriftenreihe heraus, in die Forschungsergebnisse der Mitarbeiter und Stipendiaten des Instituts aufgenommen werden: Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte (seit 1952) mit Beiheften (seit 1975). Seit dem Jahr 2000 erscheint am Institut zudem das Jahrbuch für Europäische Geschichte. Außerdem stellt das IEG digitale Grundkarten zur deutschen und europäischen Geschichte zur freien Benutzung im Internet (Kartenserver IEG-Maps) bereit und baut eine ebenfalls online abrufbare digitale Sammlung Europäischer Friedensverträge der Vormoderne auf (DFG-gefördert). Zudem veranstaltet das Institut öffentliche Vorträge, internationale Kolloquien und Tagungen.

Stipendienprogramm / Bewerbungsverfahren

Das Institut verfügt über Forschungsstipendien, die aus Haushaltsmitteln des Landes Rheinland-Pfalz sowie aus Mitteln des Auswärtigen Amtes über den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) finanziert werden. Neben den Stipendien des Instituts besteht ein Forschungsstipendium des niederländischen Wissenschafts­ministeriums für Forschungsaufenthalte junger Historiker aus den Nieder­landen in Mainz. Außerdem nimmt das Institut als Gäste auch Stipendiaten anderer Förderungs­organisationen, wie z.B. der Alexander von Humboldt-Stiftung oder des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, auf.

Das Stipendienprogramm des Instituts für Europäische Geschichte führt Forschung, Ausbildung und internationale Vernetzung zusammen. Das Institut ermöglicht seinen Stipendiaten, ungestört ihr eigenes Forschungsvorhaben zu verfolgen. In einer internationalen Gesprächsatmosphäre schärfen die Stipendiaten Methoden und Fragestellungen einer interdisziplinären historischen Europaforschung. Sie erhalten die Gelegenheit, forschungsbegleitende Qualifikationen zu erwerben, indem sie – je nach Interesse und fachlicher Ausrichtung – an den vielfältigen wissenschaftsorganisatorischen Aktivitäten des Instituts mitwirken. Im Austausch mit den internationalen Kooperationspartnern des Instituts können sie sich in das Netzwerk der historischen Europaforschung integrieren.

Gefördert werden Forschungen zu den Grundlagen Europas - vergleichende und/oder transnationale bzw. transkulturelle Projekte, die sich mit europäischen Transfer- und Kommunikationsprozessen sowie mit Europa-Vorstellungen und Europa-Konzeptionen zwischen ca. 1450 und ca. 1950 befassen. Dies schließt geistes-, kirchen- und theologiegeschichtliche Fragestellungen ausdrücklich mit ein. Die zu fördernden Projekte sollten auf mindestens sechs Monate angelegt sein. Der Forschungsaufenthalt kann unabhängig vom akademischen Jahr zu jedem vereinbarten Zeitpunkt beginnen. Bewerbungen für die Forschungsbereiche des Instituts werden besonders begrüßt. Darin können die Stipendiaten eng mit den Wissenschaftlern des Hauses zusammenarbeiten.

Die Höhe der Stipendien orientiert sich an den Sätzen des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), ebenso das Höchstalter (bei Stipendienantritt 32 Jahre, Ausnahmen sind möglich).

Die Stipendiatinnen und Stipendiaten wohnen und arbeiten im Institutsgebäude in Mainz. Reisen zu Archiven, Bibliotheken, auswärtigen Fachleuten und Fachtagungen sind im Rahmen dieser Residenzpflicht möglich. Bewerben können sich Wissenschaftler/innen aus dem In- und Ausland, die in der Regel an ihrer Dissertation arbeiten oder diese vor kurzem abgeschlossen haben. Bewerber müssen zumindest einen ersten qualifizierten Hochschulabschluss als Historiker oder Theologen haben.

Als außeruniversitäre Forschungseinrichtung nimmt das Institut keine Prüfungen ab und verleiht keine akademischen Grade. In der Regel werden Dissertationen unter Verantwortung des jeweiligen Betreuers an der Heimatuniversität zum Abschluss gebracht. Nach Absprache ist jedoch eine Betreuung durch die Wissenschaftler des Instituts möglich, die das Promotionsrecht an den Universitäten Mainz und Frankfurt am Main besitzen. Ausländische Bewerber müssen die deutsche Sprache so gut beherrschen, dass sie am wissenschaftlichen Gespräch untereinander und mit den Mitarbeitern des Instituts teilnehmen können.

Bewerbungen sind an die beiden Direktoren des Instituts zu richten. Die Bewerbungsfristen sowie die notwendigen Unterlagen werden auf der Website des Instituts (www.ieg-mainz.de/stipendienprogramm) bekanntgegeben.

Bibliothek

Für ihre Forschungen steht den Stipendiaten die gut ausgestattete Spezialbibliothek des Instituts, eine EDV-Anlage (inkl. Microscanner für die Digitalisierung von Filmen und Fiches) sowie die über das Zentrum für Datenverarbeitung der Universität Mainz zur Verfügung gestellten Netzressourcen zur Verfügung. Die Bibliothek umfaßt derzeit ungefähr 220.000 Bände und mehr als 450 Zeitschriften, von denen über 250 laufend bezogen werden

Adresse: Institut für Europäische Geschichte
Alte Universitätsstraße 19
55116 Mainz
Abteilung: Abendländische Religionsgeschichte
Tel.: 06131-393-9340
Fax: 06131-393-0153
E-Mail: ieg1@ieg-mainz.de
Internet: www.ieg-mainz.de
Direktor: Prof. Dr. Irene Dingel

Abteilung: Universalgeschichte
Tel.: 06131-393-9360
Fax: 06131-393-0154
E-Mail: ieg2@ieg-mainz.de
Internet: www.ieg-mainz.de
Direktor: Prof. Dr. Heinz Duchhardt

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Arbeitsgemeinschaft historischer Forschungseinrichtungen in der Bundesrepublik Deutschland e.V., 2012.
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