Das Deutsche Polen-Institut (DPI) in Darmstadt ist ein Forschungs-, Informations- und Veranstaltungszentrum für polnische Kultur, Geschichte, Politik, Gesellschaft und die deutsch-polnischen Beziehungen im Kontext der europäischen Integration. Das DPI, entstanden 1979 auf Anregung von Karl Dedecius, Marion Gräfin Dönhoff u.a. und seit März 1980 tätig, ist eine Gemeinschaftsgründung der Stadt Darmstadt, der Länder Hessen und Rheinland-Pfalz sowie des Bundes. Seit 1987 ist die Trägerschaft auf die Kultusministerkonferenz ausgedehnt. Einen wesentlichen Beitrag zur Verwirklichung der Institutsziele leisten öffentliche und private Stiftungen.
Das Deutsche Polen-Institut hat satzungsgemäß die Aufgabe, durch seine Arbeit zur Vertiefung der gegenseitigen Kenntnisse des Kultur- und Geisteslebens von Polen und Deutschen beizutragen. Es erfüllt diese Aufgaben insbesondere durch Forschung, Publikationen und Veranstaltungen, Zusammenarbeit und Pflege von Kontakten mit Personen und Einrichtungen, die ähnliche Zwecke verfolgen, und durch Information und sachkundige Beratung. Ziel der Institutsarbeit ist es, weite Kreise, insbesondere aber die »Funktionseliten« und Multiplikatoren in Politik, Kultur, Verwaltung, Medien und Wirtschaft für Polen zu interessieren und einen Beitrag für die Schaffung eines stabilen deutsch-polnischen Netzwerks zu leisten.
Zur Arbeit des Instituts gehören editorische und wissenschaftliche Projekte, Konferenzen, Diskussionen, Lesungen, Vorträge, Ausstellungen und andere kulturelle Veranstaltungen. In den letzten Jahren hat das DPI seine Kooperationen mit wissenschaftlichen und kulturellen Einrichtungen und mit Trägern politischer Bildungarbeit in Deutschland, Polen und anderen Ländern ausgeweitet. Dies betrifft v.a. praxisbezogene politikwissenschaftliche und zeitgeschichtliche Projekte und interdisziplinäre Kooperation zur Stärkung kulturpolitischer und interkultureller Kompetenz.
Ein herausragendes Beispiel für die Zusammenarbeit des DPI mit Förderern stellen die bewährten Kontakte mit der Robert Bosch Stiftung dar: Neben der finanziellen Unterstützung von editorischen und wissenschaftlichen Projekten des DPI fördert die Stiftung polnische und deutsche Übersetzer. Seit 2003 wird alle zwei Jahre der mit jeweils 10.000 Euro dotierte Karl-Dedecius-Preis der Robert Bosch Stiftung für polnische und deutsche Übersetzer verliehen.
Der öffentliche und überparteiliche Vermittlungsauftrag für das Institut erfordert, dass im Vordergrund der wissenschaftlichen Forschungsprojekte und damit verbundener Veröffentlichungen zeitgeschichtliche und politikwissenschaftliche Themenstellungen stehen, die anwendungsbezogen sind und als Politikbegleitung verstanden werden können.
Im Bereich der Publikationstätigkeit spiegeln sich die Forschungsschwerpunkte in der Reihe Veröffentlichungen des Deutschen Polen-Instituts Darmstadt, die im Harrassowitz Verlag herausgegeben wird. In ihr publiziert das Institut Bibliographien, Dokumentationen und Abhandlungen u.a. zu politischen, historischen, gesellschaftlichen, kulturhistorischen und literaturwissenschaftlichen Themen. Bisher sind 20 Bände erschienen, u.a. erinnern, vergessen, verdrängen (Bd. 11), Erlebte Nachbarschaft (Bd.12), Aleksander Wat und »sein« Jahrhundert (Bd. 15), Deutschland – Polen – Osteuropa (Bd. 16, 2002), Vertreibungen europäisch erinnern? (Bd. 18, 2003), Nachbarn auf Distanz (Bd. 19, 2005); Die Schleifung (Bd. 20, 2005).
Seit 2003 erscheint im Suhrkamp Verlag die Reihe Denken und Wissen. Eine Polnische Bibliothek. Die geplanten 15 Bände sollen einen Beitrag zur stärkeren Verflechtung der wissenschaftlichen Diskurse zwischen Deutschland und Polen leisten. Die Präsentation von herausragenden Schlüsseltexten polnischer Denker des 20. Jahrhunderts soll die bisher eher seltene Kenntnisnahme von Arbeiten polnischer Soziologen, Philosophen, Kulturkritiker usw. fördern. Vorgestellt werden Werke, Autoren und Themen, die sowohl die Eigenart polnischer Traditionen vertreten als auch integraler Bestandteil der Wissenslandschaft sind.
Seit 1990 wird das Jahrbuch Ansichten (Harrassowitz Verlag) mit Beiträgen zu zahlreichen Aspekten der gegenseitigen Beziehungen zwischen Deutschland und Polen herausgegeben.
Ein neuer Schwerpunkt der Publikationstätigkeit ist die Förderung der Entwicklung von innovativen Unterrichtsmaterialien für die Fächer Deutsch (Polnische Literatur im Deutschunterricht), Geschichte und Gegenwartskunde (Polnische Geschichte und deutsch-polnische Geschichtsbeziehungen) und – eine Premiere in der Bundesrepublik Deutschland – Polnisch als Fremdsprache an Gymnasien.
Deutsche und polnische Zeithistoriker und Politikwissenschaftler erörtern seit 2000 im Rahmen der Kopernikus-Gruppe zwei Mal im Jahr (kultur)politische und gesellschaftlich relevante Probleme der deutsch-polnischen Beziehungen sowie Lösungs- bzw. Umsetzungsvorschläge mit dem Ziel, aktuellen und potentiellen Herausforderungen und Aufgaben im gegenseitigen Verhältnis konstruktiv und zukunftsweisend zu begegnen.
In dem deutsch-polnischen Projekt Deutschland – Polen – Osteuropa wird in einer Abfolge von Tagungen mit Wissenschaftlern, Politikern und Beamten seit 2000 (Darmstadt 2000, Brüssel 2001, Leipzig 2003, Brüssel 2006) der Versuch unternommen, gemeinsam Grundlagen für eine langfristig ausgerichtete Politik der Europäischen Union gegenüber den Nachbarn Russland, Belarus, Ukraine und Moldova zu entwickeln.
Im November 2005 plant das DPI in Darmstadt eine wissenschaftliche Tagung: Die Destruktion des Dialogs. Fremd- und Feindbilder in bilateralen Verhältnissen. Ein systemübergreifender Vergleich Deutschland-Polen-Tschechien-Niederlande.
Das Deutsche Polen-Institut veranstaltet seit 1997 jährlich ein deutsch-polnisches Podiumsgespräch zu aktuellen politischen, gesellschaftlichen oder kulturellen Fragen.
Die Institutsbibliothek ist eine Fachbibliothek mit umfangreichen, v.a. deutsch- und polnischsprachigen Beständen zur polnische Literatur, Kultur, Geschichte, Zeitgeschichte und Politik, Sozialwissenschaften und zu den deutsch-polnischen Beziehungen in Geschichte und Gegenwart. Sie umfasst ca. 50.000 Bände und ist eine öffentliche Bibliothek (mit einem Präsenzbestand). Recherchen sind auf der WebSite www.deutsches-polen-institut.de/Service/Bibliothek/index.php möglich. Die Bestände sind über die Landes- und Hochschulbibliothek in Darmstadt an die Fernleihe angeschlossen. Eine Direktausleihe über das Institut ist möglich.
Das Zeitungsarchiv des Deutschen Polen-Instituts enthält alphabetisch geordnete Textmappen zu etwa 1300 polnischen Autoren sowie Informationsmaterial zu den deutsch-polnischen Beziehungen. Die »Dokumentation Polen-Information«, eine Dauerleihgabe des Archivars Udo Kühn, umfasst 50.000 Ausschnitte aus über 250 deutschsprachigen Informationsquellen aus den Jahren 1970 – 2001. Das Material wurde mit dem Dokumentationssystem »Lidos« elektronisch erfasst. Das Archiv verfügt über 900 Videobeiträge (Spiel- und Dokumentarfilme, Magazinbeiträge) und etwa 170 Tondokumente (Hörspiele, Features, Interviews), die in einer Datenbank erfasst sind.
| Adresse: | Deutsches Polen-Institut Mathildenhöhweg 2 64287 Darmstadt |
| Tel.: | 06151-4202-11 |
| Fax: | 06151-4202-10 |
| E-Mail: | brauhof@dpi-da.de
(Sekretariat Leitung/Geschäftsführung) miemietz-thiel@dpi-da.de (Bibliothek) |
| Internet: | http://www.deutsches-polen-institut.de |
| Direktor: | Prof. Dr. Dieter Bingen |
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