Die Bibliothek für Zeitgeschichte in Stuttgart, deren Anfänge bis in das Jahr 1915 zurückgehen, ist heute die mit Abstand größte deutsche Spezialbibliothek für die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Die Bibliothek für Zeitgeschichte (BfZ) erfüllt nicht nur eine wichtige Aufgabe bei der regionalen und überregionalen Literaturversorgung in der Bundesrepublik Deutschland. In ihrer Verbindung von wissenschaftlicher Bibliothek und zeitgeschichtlichem Dokumentationszentrum ist sie zugleich eine historische Forschungseinrichtung sui generis. Die BfZ ist eine bevorzugte Anlauf- und Informationsstelle für Historiker, Ausstellungsmacher, Medien und Verlage sowie die interessierte Öffentlichkeit.
Dank ihrer Spezialbestände und der ausgedehnten, seit Jahrzehnten verfolgten Sammlungen verfügt die BfZ über einen Bestand an wissenschaftlicher Literatur und archivarischen Dokumenten, der in seiner Bedeutung für die Zeitgeschichtsforschung als einmalig gelten kann. Die Schwerpunkte des Literaturerwerbs liegen bei den bewaffneten Konflikten des 20. Jahrhunderts, insbesondere den beiden Weltkriegen. Die Erwerbungen sind international ausgerichtet, wobei der ausländische Anteil derzeit über 70 % beträgt. Der Buchbestand (2008) umfasst ca. 360.000 Bände sowie ca. 425 laufende Zeitschriften.
Die Sondersammlungen umfassen die Bereiche „Zeitalter der Weltkriege“ (1914-1945), „Neue Soziale Bewegungen“ (1965-2005), sowie das sog. „Marinearchiv“. Die Fotoarchive enthalten u.a. Presse- und Privataufnahmen aus beiden Weltkriegen (ca. 50.000) sowie eine Bilddokumentation zur Kriegs- und Handelsschifffahrt aller Seemächte von 1850 bis 1990 (ca. 600.000 Fotos). Ein besonders wertvoller Bestand stammt aus der Umgebung des letzten russischen Zaren und illustriert höfisches und militärisches Leben in Russland vor der Revolution. Erwähnung verdienen ferner die Plakat-, Flugblatt- und Kartensammlungen sowie eine insbesondere in den letzten Jahren intensiv ausgebaute Lebensdokumentensammlung, in der Erinnerungen, Tagebücher und Briefe (darunter ca. 90.000 Feldpostbriefe) von Kriegsteilnehmern der beiden Weltkriege archiviert sind.
Mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wurde 1972 eine weitere bedeutende Sammlung eingerichtet: die Dokumentationsstelle für unkonventionelle Literatur. Schwerpunkt sind die neuen sozialen Bewegungen in der Bundesrepublik mit den Themen: Studentenbewegung, Friedensbewegung, Dritte Welt und Globalisierung, Ausländer und Flüchtlinge, Rechts- und Linksradikalismus, Terrorismus. Die Sammlung „Neue Soziale Bewegungen“ umfasst inzwischen u.a. ca. 135.000 Flugblätter, ca. 26.000 Plakate sowie ca. 17.500 Broschüren und 5.000 Periodika.
Die BfZ verfügt über eine eigene Publikationsreihe („Schriften der Bibliothek für Zeitgeschichte – Neue Folge“). Sie organisiert regelmäßige Vortragsveranstaltungen, die teilweise auch veröffentlicht sind („Stuttgarter Vorträge zur Zeitgeschichte“) Alle Reihen-Veröffentlichungen erscheinen im Klartext Verlag, Essen. Die BfZ erhält Fördermittel der DFG und ist institutionelles Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher und bibliothekarischer Netzwerke. Über die Person ihres Leiters ist die BfZ außerdem mit dem Historischen Institut der Universität Stuttgart verbunden. Ein wissenschaftlicher Beirat berät den Leiter insbesondere bei allen Veröffentlichungen.
Seit dem Jahr 2000 ist die ehemals als privatrechtliche Stiftung organisierte BfZ eine Einrichtung des Landes Baden-Württemberg und als Abteilung in die Württembergische Landesbibliothek integriert.
| Adresse: | Bibliothek
für Zeitgeschichte in der Württembergischen Landesbibliothek Konrad-Adenauer-Straße 8 70173 Stuttgart Postfach 10 54 41 70047 Stuttgart |
| Tel.: | 0711-212-4516 |
| Fax: | 0711-212-4517 |
| E-Mail: | bfz@wlb-stuttgart.de |
| Internet: | http://www.wlb-stuttgart.de/sammlungen/bibliothek-fuer-zeitgeschichte/ |
| Direktor: | Prof. Dr. Gerhard Hirschfeld |
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Forschungseinrichtungen in der Bundesrepublik Deutschland e.V., 2012. |