Hinweis: Die Zahlen in Klammern verweisen auf die Anmerkungen am Ende des Textes
1. Voraussetzungen und Rahmenbedingungen
Das Bayerische Archivgesetz vom 22.12.1989, geändert durch Gesetz vom 16.12.1999, bestimmt in Art. 2 Abs. 3: "Archivierung umfasst die Aufgabe, das Archivgut zu erfassen, zu übernehmen, auf Dauer zu verwahren und zu sichern, zu erhalten, zu erschließen, nutzbar zu machen und auszuwerten." Das Anbieten von Informationen im Internet gehört demnach zur Teilaufgabe der Nutzbarmachung.
Redaktion und Präsentation des Internetangebots werden von der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns wahrgenommen. Die Redaktion des Inhalts obliegt dem Sachgebiet Veröffentlichungen, die technische Aufbereitung dem Sachgebiet EDV, dem der Webmaster zugeordnet ist. Alle diese Aufgaben werden von Archivaren wahrgenommen; Fachkräfte der Informationstechnologie stehen der Archivverwaltung nicht zur Verfügung. Die technische Infrastruktur (Webserver) für die Darstellung der Informationen im Internet stellt das Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung. Die Öffentlichkeit kann unter der Adresse (URL) www.gda.bayern.de auf die Informationen zugreifen.
2. Aufbau, Inhalt und Gestaltung
Der Aufbau des Informationsangebots ist hierarchisch gegliedert und folgt einem bewährten, von vielen Archivverwaltungen im In- und Ausland adaptierten Muster.[1] Nach einer auch in englischer Sprache verfügbaren "Begrüßungsseite" folgt die Inhaltsübersicht, von der in die verschiedenen Informationsgruppen verzweigt wird, die im Folgenden kurz erläutert werden:
Unter Aufgaben, Organisation und Rechtsgrundlagen sind das Bayerische Archivgesetz, die Benützungsordnung für die Staatlichen Archive Bayerns sowie Zulassungs-, Ausbildungs- und Prüfungsordnungen für den höheren, gehobenen und mittleren Archivdienst enthalten.
Die Generaldirektion fasst die Aufgaben der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns zusammen, die die zentrale staatliche Fachbehörde für alle Fragen des Archivwesens in Bayern ist und der die neun bayerischen Staatsarchive unterstellt sind.
Den Schwerpunkt des Internetangebots bildet die Informationsgruppe Die Staatsarchive (mit Beständeübersichten). Neben Kurzinformationen über das Bayerische Hauptstaatsarchiv und die Staatsarchive Amberg, Augsburg, Bamberg, Coburg, Landshut, München, Nürnberg und Würzburg enthält sie Übersichten über die Bestände dieser Archive, anhand derer ein Forscher häufig schon entscheiden kann, wo er für sein Anliegen fündig wird. Darüber hinaus findet er Angaben zur Geschichte des jeweiligen Archivs, seine Baulichkeiten und Literatur zum Archiv und seinen Beständen. Die Benützungshinweise unterrichten über das, was man vor dem Archivbesuch wissen sollte. Bei Publikationen findet sich eine Liste der Veröffentlichungen der Staatlichen Archivverwaltung mit Preisangaben und Bestellhinweisen. Besonders hinzuweisen ist auf die "Nachrichten aus den Staatlichen Archiven Bayerns", deren jeweils neueste Nummer als Volltext angeboten wird.
Eine Herausforderung besonderer Art besteht in der Archivierung digitaler Unterlagen der Verwaltung. Mit der allmählich beginnenden Umstellung der Verwaltungsarbeit vom Papier auf digitale Informationsträger kommt auf die Archive eine der wohl größten Aufgaben ihrer Geschichte zu. Digitale Unterlagen sind von ihrer Natur her fragil und kurzlebig. Was davon über einen wohlgeordneten Bewertungs- und Aussonderungsprozess in die Archive gelangt, muss jedoch für alle Zeiten in nutzbarer Form aufbewahrt werden. Diese Aufgabe lässt sich nur in engster Zusammenarbeit zwischen Behörden und Archiven lösen. Zur Einleitung dieser Kooperation haben die Staatlichen Archive Bayerns Empfehlungen erarbeitet, die über die Landesgrenzen hinaus Beachtung gefunden haben und hier nachgelesen bzw. heruntergeladen werden können.
Ausstellungen sind ein bewährtes Mittel der Öffentlichkeitsarbeit. Die Informationsgruppe unterrichtet über laufende und demnächst stattfindende Ausstellungen. Als Beispiel für eine "virtuelle" Präsentation wird ein Ausschnitt aus der Ausstellung "1648-1748-1848-1948. Stationen bayerischer und deutscher Geschichte" gezeigt, der in Zusammenarbeit mit einer Fachfirma realisiert wurde. Bei Veranstaltungen und Termine werden Archivtage und andere archivfachliche Veranstaltungen (ohne Austellungen) angekündigt. Die Informationsgruppe Die Ausbildung zum Archivar in Bayern ist noch im Aufbau. Sie verweist derzeit auf die bereits in der ersten Gruppe genannten Ausbildungsordnungen und auf Kurstermine.
Wie Schulen das Bildungsangebot der staatlichen Archive nutzen können erläutert, dass für Schulen Führungen durch Ausstellungen der staatlichen Archive angeboten werden. Geschichtsunterricht kann im Archiv abgehalten und Kopien von Archivalien können Schulen für eigene Ausstellungen zur Verfügung gestellt werden. Ferner unterstützen die Archive Schulen bei Projekt- und Facharbeiten. In Zusammenarbeit mit dem Staatsministerium für Unterricht und Kultus wird das Projekt "Archiv und Schule" erarbeitet.
Es besteht eine Reihe von Verbindungen zu anderen Archiven und archivfachlichen Institutionen. Für regional übergreifende Forschungen ist es unverzichtbar, einen raschen Zugang zu anderen Archiven zu finden. Hierfür werden Verbindungen (Links) zum neuen Archivportal der UNESCO, zu dem Europäischen Archivnetz, dem Bundesarchiv und insbesondere der Archivschule Marburg mit der wohl umfangreichsten Linkliste in Deutschland angeboten. Ferner gibt es Zugänge zum Internationalen Archivrat (ICA), dem vor allem mit archivtechnischen Fragen befassten Internationalen Institut für Archivwissenschaft in Maribor (Slowenien) und dem Fachbereich Archiv-Bibliothek-Dokumentation der Fachhochschule Potsdam, außerdem zum Haus der Bayerischen Geschichte, der Kommission für bayerische Landesgeschichte, dem Informationsknotenpunkt Geschichte Bayerns und dem Institut für Zeitgeschichte in München. Die Linkliste ist absichtlich knapp gehalten, um die Übersichtlichkeit zu wahren und die Kontrolle der Links auf Gültigkeit zu erleichtern.[2] Die Auswahl stellt jedoch sicher, dass so gut wie alle anderen für die Forschung relevanten Institutionen über die aufgeführten Adressen gefunden werden können.
Die Gestaltung des Angebots ist bewusst einfach gehalten. Bilder und Animationen mögen zwar ein guter Blickfang sein, behindern aber einen raschen Aufbau der Seiten und somit den schnellen Zugang zu den Fachinformationen. Sicher wäre es wünschenswert, eine Ausstellung komplett ins Internet zu stellen und damit einen "virtuellen" Besuch zu ermöglichen, doch dafür werden professionelle Webgrafiker und -programmierer bzw. beträchtliche finanzielle Ressourcen benötigt. Da die Masse des Archivguts aus eher unprätentiösen Schriftstücken besteht, sind gut strukturierte Texte die adäquate Form, um Informationen hierüber darzustellen.
3. Archivbesuch online?
Ein verständlicher Wunsch der Forschung ist, auf Mühsal - und Kosten - von Archivreisen und -besuchen verzichten zu können und die Quellen am heimischen Schreibtisch einsehen und auswerten zu können. Dies wird jedoch noch für längere Zeit ein Traum bleiben. Allein die Findmittel eines staatlichen Archivs umfassen hunderte von Bänden, die nur zu einem winzigen Bruchteil in digitaler Form vorliegen. Es ist nicht damit getan, diese Bände zu scannen und z.B. als Bilddateien (Images) ins Netz zu stellen, da eine gezielte Suche in derartigen Dateien nicht möglich ist. Onlinefähige Findmittel müssen in Form von Datenbanken vorliegen, deren Struktur einsehbar sein muss. Diese Strukturen entsprechen meistens dem Registraturaufbau der das Schriftgut abgebenden Behörden und sind ohne eingehende Kenntnisse dieser Behörden schwierig zu verstehen. Dieses Verständnis wird bei der Beratung des Forschers im Archiv vermittelt und lässt sich derzeit noch nicht in befriedigender Form online weiter geben.[3] Die Bereitstellung einer Suchmaschine, mit der nach Namen und Sachbegriffen in den Findmitteln recherchiert werden kann, reicht nicht aus, um zu soliden und vor allem erschöpfenden Ergebnissen zu kommen, da die Intensität der Verzeichnung von Bestand zu Bestand und sogar innerhalb eines Bestandes unterschiedlich und auch die Nomenklatur keineswegs einheitlich ist.
Die Präsentation von Archivgut im Internet ist zwar technisch machbar. Sie bleibt jedoch in Anbetracht der großen Menge von Archivalien bis auf weiteres eine nicht finanzierbare Utopie. Denn die Auswahl eines kleinen Teils von Schaustücken (Zimelien), wie sie von manchen Archiven praktiziert wird, hat bestenfalls Werbecharakter und verstellt den Blick auf die Gesamtüberlieferung. Wenn man bedenkt, dass im Rahmen einer Archivrecherche oft hunderte von Akten durchgesehen werden müssen, ist es absurd zu glauben, dass jemand bereit sein könnte, sich dies am Bildschirm anzutun. Bedenkt man ferner, dass häufig verschiedene Akten parallel überprüft werden müssen, so wird umso mehr deutlich, dass die Forschungsarbeit im Lesesaal des Archivs - auch in Anbetracht der dort verfügbaren Hilfsmittel - sich eben nicht ohne weiteres auf den heimischen Schreibtisch verlagern lässt.
4. Technische Informationen
Das Internetangebot besteht aus statischen HTML-Dateien, die in ein Frameset eingebunden sind, um eine komfortable Navigation zu ermöglichen. Auf die Verwendung von Java, Javascript oder aktiven Inhalten wurde in Anlehnung an die Empfehlungen des Bundesamts für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bewusst verzichtet, ferner auf browserspezifische Erweiterungen von HTML.
Die Texte werden in WordPerfect bzw. Word geschrieben, mit dem Editor Hot Metal Pro in das HTML-Format konvertiert und ggfs. nachbearbeitet. Anschließend werden die Dateien auf einen Produktionsserver im Bayerischen Behördennetz hochgeladen, getestet und anschließend auf den Bayernserver übertragen, wo sie der Allgemeinheit zur Verfügung stehen. Der Umfang des Internetangebots beläuft sich gegenwärtig auf ca. 400 HTML-Dateien.
5. Künftige Entwicklungen
Das Arbeiten mit statischen HTML-Dateien wird ab einer bestimmten Datenmenge und steigender Zahl der Hierarchieschichten aufwändig und unwirtschaftlich. Es ist daher geplant, das gesamte Informationsangebot in eine Datenbank zu importieren, die es erlaubt, aus Abfragen automatisch eine von Internetbrowsern lesbare, strukturierte Darstellung zu erzeugen und die auch die internen Links (bereits jetzt weit über 1000!) verwalten kann. Ein Beispiel für diese Technik kann man auf den Seiten der Firma Land-Software besichtigen.[4] Sobald diese technische Infrastruktur geschaffen sein wird, können in die Beständeübersichten Links zu den Findbüchern integriert werden, die bereits als Datenbanken vorliegen, so dass hier eine Recherche bis zum einzelnen Archivale möglich sein wird.
Neben dem Internetangebot der Staatlichen Archive Bayerns wird demnächst ein Portal "Archive in Bayern" eingerichtet, das sich auf den Datenbestand des "Handbuchs der bayerischen Archive"[5] stützt und diesen fortschreiben wird. Das Portal wird über 650 Archive des Staates, der Kommunen, der Kirchen, des Adels, der Wirtschaft, der Parteien, der Verbände, der wissenschaftlichen Einrichtungen und anderer Institutionen mit Kurzbeschreibungen vorstellen und - sofern vorhanden - Links zu den einzelnen Archiven anbieten. Die Redaktion der Inhalte wird von der Generaldirektion wahrgenommen; die technische Umsetzung und Betreuung soll einer Informationstechnologie-Firma übertragen werden.
[1] Vgl. Karsten Uhde, Archive im Internet, in: Der Archivar 49 (1996), Sp. 205-216.
[2] Ungültige Links sind nur ärgerlich, wogegen Links auf veraltete, nicht mehr gepflegte Seiten den Surfer auf gefährliche Irrwege führen können. So führt die Suche nach den Staatlichen Archiven Bayerns häufig auf eine der frühesten deutschen Archivlisten, die heute jedoch völlig veraltet ist. Da die Seite keine Datierung enthält, weiß der nicht Eingeweihte dies nicht und verfällt darüber hinaus leicht dem Irrtum, es mit einer offiziellen Seite der Archivverwaltung zu tun zu haben.
[3] Vielversprechende Experimente mit Online-Findbüchern sind im Internetangebot der Archivschule Marburg zu sehen: http://www.uni-marburg.de/archivschule
[4] http://www.land-software.de
[5] Handbuch der bayerischen Archive, hrsg. vom Bayerischen Archivtag, München 2001.
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Arbeitsgemeinschaft außeruniversitärer historischer
Forschungseinrichtungen in der Bundesrepublik Deutschland e.V., 2001. |