Hinweis: Die Zahlen in Klammern verweisen auf die Anmerkungen am Ende des Textes
"Naumanns Stellung in der Geschichte seiner Zeit hat einen eigentümlichen Rang": So urteilte Theodor Heuss 1937 - und trug mehr als jeder andere dazu bei, eben jenen Rang näher zu bestimmen und dauerhaft zu befestigen. Heuss' monumentale, Verehrung nie leugnende, hagiographische Versuchung souverän hinter sich lassende Biographie des charismatischen Pastors, Politikers und Publizisten Friedrich Naumann bündelte die frühen Rezeptionsstränge und gestaltete aus dem Geist gleichgestimmter Zeitgenossenschaft das Bild einer wirkungsmächtigen Persönlichkeit in den vielschichtigen Wandlungsprozessen einer Wendezeit.[1] Ein Bild, das den von vielerlei Erwartungen und noch mehr Enttäuschungen gesäumten Weg des sozial gesinnten Theologen in die Politik bei aller thematischen Komplexität als so folgerichtig nachzeichnete, ihn so bezwingend beschrieb und kongenial interpretierte, daß bis auf den heutigen Tag jeder Versuch einer neuen Gesamtdarstellung von Leben, Werk und Wirkung Naumanns unterblieb.
Die Suche nach demokratieverträglichen Ahnen in vordemokratischer Zeit belebte nach 1945 zwar immer wieder einmal die Erinnerung an den 'Liberalen' Naumann, beschwor aber zugleich die Gefahren der Legendenbildung und parteipolitischen Vereinnahmung herauf. Das Interesse der Wissenschaft dagegen versickerte lange Zeit in nach Disziplinen säuberlich getrennten Spezialuntersuchungen: Theologen widmeten sich, nicht allzu intensiv, dem Theologen, Historiker dem politischen Publizisten, linksliberalen Abgeordneten und 'Gründervater' der Weimarer Republik.[2]
Eine Gemeinsamkeit verband die Mehrzahl dieser Bemühungen gleichwohl: ihre nicht unproblematische Quellengrundlage. Zwar lag seit 1957 mit Alfred Milatz' Naumann-Bibliographie ein erster Wegweiser in das einschüchternd umfangreiche Werk des großen Kommunikators und kaum zu ermüdenden Publizisten vor.[3] Die Wege zu Friedrich Naumann aber bestimmte nachhaltig erst die seit Mitte der 1960er Jahre erscheinende sechsbändige Auswahledition seines Werkes. So verdienstvoll das Unternehmen fraglos war, und so trefflich es den auf zeitgemäße Traditionskonstruktion gerichteten Bedürfnissen einer Gesellschaft entgegenkam, die sich gerade unter 'sozialliberalen' Vorzeichen anschickte, ihren Wertekanon vorsichtig umzugruppieren: die Schwächen dieser ersten mehr als nur pietätvollen Auswahl sind unübersehbar.
Die erste wissenschaftliche Werkausgabe [1964-1969]
Am Anfang war Theodor Heuss - auch in der Geschichte der wissenschaftlichen Naumann-Editionen: Wenige Wochen vor seinem Tod verfaßte der Altbundespräsident im November 1963 sein Geleitwort für die erste wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Ausgabe der Schriften seines einstigen Mentors. Bis 1969 erschienen dann im Auftrag der Friedrich Naumann-Stiftung sechs Bände mit Texten Naumanns. Je ein Band war dabei den theologischen und ästhetisch-kunstkritischen Schriften zugedacht (Herausgeber: Walter Uhsadel; Heinz Ladendorf), vier Bände stellten, herausgegeben von Theodor Schieder, den 'politischen' Naumann vor. War nun schon diese rein quantitative Gewichtung weit weniger dem vorzustellenden und kritisch zu erschließenden Gesamtwerk als vielmehr Einfluß, Interessenlage und Arbeitsschwerpunkt Schieders, gewiß auch den Erwartungen der Naumann-Stiftung geschuldet, so verstärkte die Wahl der Bearbeiter den Effekt der Politik-Fixierung noch. Mit Thomas Nipperdey, Wolfgang J. Mommsen und Wolfgang Schieder bearbeiteten exzellente Historiker der jüngeren Generation die großen programmatischen Schriften zum Parteiwesen, zur Wirtschaftspolitik und zur Mitteleuropa-Idee - und nutzten mit erkennbarem Engagement den ihnen eingeräumten knappen Raum für profunde Einführungen und trotz der erzwungenen Kürze hilfreiche Anmerkungen. Die mindestens ebenso erläuterungsbedürftigen religiösen und ästhetischen Schriften fanden in der Werkausgabe dagegen keine angemessene Kommentierung.
Fataler noch als diese Unausgewogenheit wirkte sich jedoch das Fehlen eines überzeugenden Gesamtkonzeptes der Edition aus. Seltsam isoliert stehen die einzelnen Bände nebeneinander; keine Verbindungslinie, kein Querverweis läßt das dichte Beziehungsgeflecht auch nur erahnen, das - teils offen, teils nur untergründig - die religiöse, politische und kulturelle Sphäre im Denken und Schreiben Friedrich Naumanns ein Publizistenleben lang miteinander verband. So präsentiert die Auswahl nicht nur einen unhistorischen Naumann. Sie verfehlt zugleich das Charakteristische, eben das bei allem Reichtum der Facetten genuin 'Ganzheitliche' seines in einer Zeit komplexer sozialer, kultureller und wissenschaftlicher Ausdifferenzierungsprozesse entstandenen Werkes, damit aber auch den Kern des in diesem Werk enthaltenen Polarisierungspotentials. Bei der hier gewählten Form der Präsentation wird am Ende kaum nachvollziehbar, warum Naumanns Zeitgenossen gerade diesem Mann gegenüber allein die Wahl zwischen hingebungsvoller Verehrung und erbitterter Ablehnung zu bleiben schien. Nur konsequent wirkt denn auch der nahezu vollständige Verzicht auf die Einbeziehung der zeitgenössischen Naumann-Rezeption in den Horizont der Edition. Doch erschwert diese Ausblendung beides: das Verständnis eines ganz bewußt, ja bis an die Grenze des Selbstzerstörerischen als öffentliche Existenz geführten Lebens wie auch eine angemessene Deutung des sich stets primär vom Wirkungswillen her definierenden publizistischen Oeuvres.
Nicht allein konzeptionelle Defizite der Edition führten freilich zu der beschriebenen 'Entseelung' von Naumanns Werk. Hintergrund und Entstehungszusammenhang, Rezeption und Selbstdeutung blieben vielmehr auch deshalb unbeleuchtet, weil die Bearbeiter den umfangreichen Nachlaß Naumanns im Deutschen Zentralarchiv Potsdam nicht auswerten konnten. Hatte nicht zuletzt die intensive Nutzung dieses Nachlaßmaterials der Naumann-Biographie von Heuss ihren zeitüberdauernden Reiz und Rang gesichert, so schränkte der erzwungene Verzicht auf die Heranziehung zentraler ungedruckter Quellen den wissenschaftlichen Wert der Auswahledition von vornherein erkennbar ein. Wie groß diese Einschränkung jedoch tatsächlich war, ließ sich erst nach dem Ende der DDR erkennen.
Der Nachlaß Friedrich Naumanns
Friedrich Naumanns Nachlaß befindet sich heute - nach den für Archivgut im 20. Jahrhundert nicht untypischen Etappen: Auslagerung, Verschleppung, Rückgabe - mit 313 Archivalieneinheiten nahezu vollständig im Bundesarchiv in Berlin-Lichterfelde.[4] Seit 1996 ist er durch ein Findbuch - von allerdings verblüffender Unübersichtlichkeit - erschlossen[5] und gestattet Einblicke in alle Lebensphasen und Arbeitsbereiche Naumanns, vom Studienbeginn in Leipzig 1879 bis zur Mitwirkung an den Weimarer Verfassungsdebatten 1919.
Drei Gruppen von Archivalien bilden den Kern des Bestandes: zum einen die mehr als 2500 Briefe umfassende Korrespondenz Naumanns[6]; sodann unveröffentlichte Texte, also Manuskripte, Fragmente, Skizzen und Entwürfe zu Vorträgen und Predigten, Reden, Aufsätzen und Monographien; schließlich, drittens, Veröffentlichungen Naumanns, zumal Zeitungsartikel, oft Glücksfälle der Überlieferung - wo sonst ließen sich etwa die von Naumann 1888 bis 1890 redigierten (und zu großen Teilen von ihm selbst verfaßten) "Kirchlichen Nachrichten" des Hohensteiner Tageblatts noch aufspüren!
Alle drei Quellengruppen bergen indes auch spezifische Probleme. So sind Naumanns eigene Briefe aus der Zeit nach 1900 in der Regel nur als maschinenschriftliche Durchschriften überliefert. Im Vorfeld editorischer Bemühungen wächst damit der Prüfung der Gegenüberlieferung entscheidende Bedeutung zu. Die unveröffentlichten Texte wiederum verlangen oftmals hohen Transkriptionsaufwand; denn eine Vielzahl von Kladden enthält nur flüchtig hingeworfene Mitschriften, Notizen und Konzepte, häufig in Kurzschrift. Bei den von Naumann gesammelten Veröffentlichungen schließlich ergeben sich im Fall der nicht namentlich gekennzeichneten Arbeiten zuweilen schwer aufzulösende Zuschreibungsschwierigkeiten.
Gleichwohl ermöglicht die Zusammenschau der Quellengruppen erstmals präzisere Aussagen über die stark lebensweltlich geprägte Genese von Naumanns Werk und läßt zugleich Licht auf die Wirkungsgeschichte fallen. Erst die Auswertung der Korrespondenz erlaubt beispielsweise die Nachzeichnung der Konturen des - in verschiedene Teilgruppen aufzugliedernden - 'Naumann-Kreises'[7], damit aber auch die Annäherung an die gar nicht zu überschätzende Wirkung des Redners und Publizisten, des Mentors und 'Menschenfischers' Friedrich Naumann. Kein Zufall daher, daß eine Auswahledition von Naumanns Briefen bereits bald nach der Eröffnung des freien Zugangs zum Nachlaß initiiert worden ist.[8] Gerade auch der Briefwechsel aber benötigt als Hintergrund ein gründlich erschlossenes und kommentiertes Werk in einer heutigen wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Edition.
Die neue wissenschaftliche Edition
Das neue, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft seit November 1999 zunächst mit einer zweijährigen Anschubfinanzierung geförderte Editionsprojekt Friedrich Naumann hat sich zum Ziel gesetzt, in bewußter Distanzierung von einem rezeptionsgeschichtlich verengten und disziplinär segmentierten Verständnis des Werkes den 'ganzen Naumann' kritisch kommentiert zu präsentieren. Die Edition reagiert damit insbesondere auf zwei Entwicklungen: zum einen auf Tendenzen und Ergebnisse der in den zurückliegenden Jahrzehnten enorm intensivierten und differenzierten Forschungen zur Sozial-, Ideen- und Wissenschaftsgeschichte des deutschen Kaiserreichs; zum anderen auf die im Verlauf der letzten Jahre qualitativ deutlich angehobenen Standards wissenschaftlicher Editionen, wie sie sich nicht zuletzt herausgebildet haben in der Arbeit an den Werkausgaben von 'Meisterdenkern' der Kulturwissenschaften um 1900: zu nennen sind Georg Simmel, Ferdinand Tönnies, Ernst Troeltsch und, einschüchternd und maßstabsetzend zugleich, Max Weber - allesamt Zeitgenossen, ja Generationsgefährten Naumanns und ihm in vielfältigem ideellen wie persönlichen Austausch verbunden.
Die neue Naumann-Edition ist daher - wie bereits ihr Herausgeberkreis verbürgt - interdisziplinär angelegt und zudem einem lebensweltlichen Interpretationsansatz verpflichtet. Impulse der Bürgertums-, Liberalismus- und Weltkriegsforschung sind von ihr ebenso aufzunehmen wie die Deutungsangebote neuerer Studien zum Sozialprotestantismus im Kaiserreich, zur Geschichte der Inneren Mission, auch zu Struktur und Eigenwahrnehmung, Vergesellschaftungs- und Kommunikationsformen protestantischer Milieus. Naumanns Selbstverständnis, Profil und Wirkungskreis als Anreger und Vermittler auf den zunächst disparat erscheinenden, von ihm selbst jedoch stets in unaufhebbarer Wechselwirkung gesehenen Feldern der Ökonomie und bildenden Kunst, der Politik, Ethik und Religion erzwingt überdies den genauen Blick auf die Diskussionszusammenhänge der Kulturwissenschaften am Beginn des 20. Jahrhunderts. Deren Reflexe finden sich allerdings oftmals wesentlich lebendiger und pointierter in eher unauffälligen, kurzen Alltagsarbeiten des Publizisten als in den bislang über Gebühr in den Mittelpunkt des Interesses gerückten Monographien ("Neudeutsche Wirtschaftspolitik" oder "Demokratie und Kaisertum") und Groß-Essays. Hier wird die Edition überkommene Gewichtungen zu korrigieren haben - mit Blick auf die publizistischen Genres wie auf die inhaltliche Ausrichtung. Naumanns Geschichtsbild und Wissenschaftsverständnis, aber etwa auch seine Beschäftigung mit außenpolitischen Fragen vor 1914 verdienen fraglos breitere Beachtung als ihnen die bisherigen Auswahlbände einräumten. Vor allem aber wird die Neu-Edition den religiösen Schriften Naumanns den ihrer Bedeutung für die Theologie- und Frömmigkeitsgeschichte des modernen Protestantismus entsprechenden Raum zukommen lassen[9], dabei erstmals auch die wirkungsgeschichtlich hochbedeutsamen wöchentlichen Andachten ("Gotteshilfe") aus den Jahren 1895 bis 1902 angemessen berücksichtigen, frühe Predigten aus dem Nachlaß vorstellen, schließlich die Präsenz religiöser Bezüge und Deutungsmuster in allen Phasen seines Lebens und Schreibens aufzeigen.
Daß Naumanns Wirkung als Redner die Strahlkraft seiner Schriften wohl noch übertraf, bezeugen viele seiner Zeitgenossen: Gerade seine Auftritte im Reichstag, vor dem Evangelisch-Sozialen Kongreß oder auf Versammlungen des Nationalsozialen Vereins werden daher besondere editorische Aufmerksamkeit finden müssen. Aber auch Naumanns Beiträge zu vielfach an der Schnittstelle von Politik, Religion und Gesellschaft zu verortenden Schlüsseldebatten des Kaiserreichs bedürfen noch breiterer Dokumentation und schärferer Profilierung. Grenzen und Möglichkeiten bürgerlicher Sozialreform, das Problem der Großstadtbildung und die Wohnungsfrage, die Gestaltungskraft des Religiösen in einer sich forciert säkularisierenden Gesellschaft, die Rolle der "Frau im Maschinenzeitalter" (1903) und die Rettung der Persönlichkeit in einer Welt der Großbetriebe und Massenbewegungen, immer wieder die auf Werner Sombarts und Max Webers Thesen ausgerichtete Diskussion um den Kapitalismus als Kulturmacht oder auch nur die ganz bewußt ganz schlicht gefaßte Überlegung: "Wie wird man froh, wenn man Kulturmensch ist?"[10] - Fragestellungen des politischen Publizisten, des sensiblen Zeitdiagnostikers und des religiösen Menschen Friedrich Naumann, die erst dann ihren adäquaten Kontext zurückgewinnen können, wenn neben den Binnenbezügen des Werkes zugleich auch das Herauswachsen der Themen gleichsam aus dem Wurzelgeflecht persönlicher Bindungen und Freundschaften, aus dem Nährboden von Alltagserfahrung und Lektüreerlebnis erkennbar wird. Nur die Auswertung des Briefwechsels ermöglicht diese Präzisierungsleistung, und so wird die Edition in Abstimmung mit dem oben erwähnten Briefauswahlband auch einen Teil der Naumannschen Korrespondenz zum Abdruck bringen.
Nur einen Teil: Denn auch die neue Edition präsentiert lediglich eine Auswahl aus Werk und Nachlaß, zwar den 'ganzen' Naumann, aber nicht das ganze Werk. Sie will den Prediger Naumann zeigen, aber nicht alle seine Predigten, den politischen Redner und auch den Rezensenten, aber nicht alle Reden, alle Rezensionen. Und dies nicht allein aus pragmatischen Überlegungen: Es erscheint sehr fraglich, ob eine kritische Gesamtausgabe der spezifischen Eigenart von Friedrich Naumanns Lebensleistung wirklich gerecht würde, direkter gesagt: ob sein Werk eine Totalpräsentation überleben könnte. Naumann war ja eben kein genialer, kein originärer, nur selten ein origineller Denker, vielmehr ein großer Anverwandler und brillanter Popularisierer, ein Anreger und Wegweiser in seiner Zeit, für seine Zeit, kein 'Übervater', dessen Andenken noch in der Edition von Nebensächlichem zu ehren wäre, sondern ein kluger und kritischer, wacher und wirkungsvoller Nach-Denker, ein wortmächtiger Multiplikator, ein reformorientierter Ideenvermittler großen Stils - und, jedenfalls nach 1897, ein freier Publizist, der von seiner Textproduktion leben mußte. Wiederholungen konnten da nicht ausbleiben; sie werden im Erläuterungsapparat erwähnt, dem Benutzer der Edition jedoch nicht in voller Länge zugemutet werden.
Editionsplan und Stand der Bearbeitung
Die in ihren Grundzügen von Rüdiger vom Bruch konzipierte und dann in einem Herausgeberkreis von Historikern und Theologen gemeinsam entwickelte Edition ist auf zwölf Bände angelegt. Sie wird an der Humboldt-Universität zu Berlin sowie den Universitäten Bochum und Marburg erarbeitet und von vier Herausgebern - Rüdiger vom Bruch (Berlin), Traugott Jähnichen (Bochum), Jochen-Christoph Kaiser (Marburg), Frank-Michael Kuhlemann (Bielefeld) - verantwortet. Die einzelnen Bände verteilen sich auf fünf relativ deutlich - und biographisch gut begründet - voneinander abzusetzende Lebensabschnitte Naumanns. In jeder dieser mehrbändigen Abteilungen wird, in Umsetzung des eben skizzierten Editionskonzeptes, der 'ganze' Naumann präsent sein; der jeweilige Einzelband aber versammelt Schriften um einen thematischen Schwerpunkt (Politik, Wirtschafts- und Sozialpolitik, Religion, Ästhetik):
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Die Christlich-Soziale Zeit 1883-1895 (Bde. 1+2). Herausgeber: Jochen-Christoph Kaiser |
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Die Nationalsoziale Zeit 1896-1903 (Bde. 3-5). Herausgeber: Frank-Michael Kuhlemann |
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Die Erneuerung des Liberalismus 1904-1913 (Bde. 6-8). Herausgeber: Rüdiger vom Bruch |
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Der Weltkrieg 1914-1918 (Bde. 9+10). Herausgeber: Traugott Jähnichen |
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Nationalversammlung 1919 und Ausklang (Bd. 11). Herausgeber: Traugott Jähnichen. |
Jeder Band wird über Register verfügen; ein zwölfter Band enthält dann die Gesamtregister, ferner eine aktualisierte Naumann-Bibliographie, das Literaturverzeichnis sowie Materialien zur Soziographie des Naumann-Kreises.
Die Abteilungen werden eröffnet mit einer Einleitung, die in den jeweiligen zeitgeschichtlichen und biographischen Kontext einführt. Die Einzelbände enthalten darüber hinaus einen oder mehrere editorische Berichte, die Entstehungszusammenhang und Textgeschichte der jeweiligen Schriften skizzieren.
Der textkritische Apparat wird vornehmlich Textvarianten nachweisen und, sofern sachlich geboten, knapp kommentieren. Eine ausgreifende Dokumentation einzelner Textstufen ist nicht beabsichtigt; die Naumann-Edition wird so ganz bewußt nicht in Konkurrenz zu den aufwendigen Korrektur- und Variantenapparaten etwa der Max-Weber-Gesamtausgabe treten. Den Schwerpunkt der kommentierenden Bearbeitung bildet in jedem Fall der zweite, vor allem Sacherläuterungen bietende Apparat, in dessen Text dann auch ergänzende Informationen aus Naumanns Korrespondenz, Zitatnachweise, Querverweise innerhalb von Naumanns Oeuvre etc. eingehen.
Das Projekt der Naumann-Edition ist, wie bereits angedeutet wurde, nicht zu trennen von aktuellen Interessenlagen der Kulturwissenschaften: Ganz bewußt wurden daher ein Jahr vor Beginn der eigentlichen Editionsarbeit auf einer Tagung in Lauenburg (12.-14. Oktober 1998) die Perspektiven einer Beschäftigung mit 'Friedrich Naumann in seiner Zeit' von einer interdisziplinär besetzten Referentenrunde auf ihre Überzeugungskraft und Tiefendimension hin überprüft; eine Folgetagung wird für den Herbst 2001 in Aussicht genommen. Der Verlag Walter de Gruyter, der die gesamte Edition betreut, wird die Vorträge der Lauenburger Tagung noch im Frühjahr 2000 veröffentlichen[11] und überdies im Frühjahr 2001 einen Band mit ausgewählten kürzeren Naumann-Texten publizieren, der gleichsam Appetit auf die Edition machen und auch ein nichtwissenschaftliches Publikum ansprechen soll. Mit der Zusammenstellung dieses 'Best of Naumann'-Bandes ist zur Zeit die Berliner Arbeitsstelle beschäftigt, parallel dazu läuft die Sichtung und Bereitstellung sämtlicher Schriften Naumanns als Voraussetzung der editorischen Auswahlentscheidung.
Darüber hinaus wird der gesamte Naumann-Nachlaß auf publikationswürdiges ungedrucktes Material hin durchgesehen und an einer Bestandsaufnahme der Gegenüberlieferung von Naumann-Briefen außerhalb des Berliner Nachlasses gearbeitet[12]; denn auch die Auswahl der in die Edition aufzunehmenden besonders aussagekräftigen Korrespondenz erscheint erst sinnvoll auf der Basis einer möglichst lückenlos geprüften Überlieferung. Hier gilt dann, wenn auch nur am Ende dieser Projektvorstellung, eben doch: Der ganze Naumann soll es sein...
| [1] | Theodor Heuss, Friedrich Naumann. Der Mann, das Werk, die Zeit. Stuttgart, Berlin 1937; 2. Aufl. Stuttgart, Tübingen 1949; 3. Aufl. München 1968. |
| [2] | Alle älteren Arbeiten auf diesem letztgenannten Gebiet überholt Peter Theiner, Sozialer Liberalismus und deutsche Weltpolitik. Friedrich Naumann im Wilhelminischen Deutschland (1860-1919). Baden-Baden 1983. |
| [3] | Alfred Milatz, Friedrich-Naumann-Bibliographie. Herausgegeben von der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Düsseldorf 1957. - Milatz erfaßt (vielfach ungenau) 2100 Naumann-Titel, bedarf aber dringend der Ergänzung und Korrektur, da er ganze Quellengruppen [Parteipresse; Lokalpresse] und einzelne wichtige Zeitschriften [etwa Maximilian Hardens 'Zukunft'] nicht berücksichtigt hat. |
| [4] | Vier Archivalieneinheiten - aus dem von Theodor Heuss 1938 dem Reichsarchiv in Potsdam übergebenen Nachlaßkomplex - lagern noch im Moskauer Sonderarchiv. Teile der Familienkorrespondenz sowie Naumanns Zeichnungen und vermischte 'Naumanniana' unterschiedlicher Provenienz befinden sich im Archiv des Deutschen Liberalismus der Friedrich Naumann-Stiftung. |
| [5] | Nachlaß Friedrich Naumann. Bestand N 3001. Bearbeitet von Ursula Krey/Thomas Trumpp (Findbücher zu Beständen des Bundesarchivs, Bd. 55). Koblenz 1996. |
| [6] | Das Findbuch des Bundesarchivs rechnet mit insgesamt mehr als 5000 von Naumann geschriebenen Briefen, vgl. Krey/Trumpp (wie Anm. 5), S. XXXIX; XLVI. |
| [7] | Zu Profil, Struktur und Wandlung dieses Kreises vgl. Ursula Krey, Von der Religion zur Politik. Der Naumann-Kreis zwischen Protestantismus und Liberalismus, in: Olaf Blaschke/Frank-Michael Kuhlemann (Hg.), Religion im Kaiserreich. Milieus - Mentalitäten - Krisen. Gütersloh 1996, S. 350-381, sowie weitere einschlägige Studien der Autorin, die eine Habilitationsschrift zu diesem Thema erarbeitet und demnächst vorlegen wird. |
| [8] | Der von Gerd Fesser bearbeitete Band liegt im Manuskript vor und soll in absehbarer Zeit in der Schriftenreihe des Bundesarchivs erscheinen. |
| [9] | Vgl. diesen Ansatz jüngst bei Hartmut Kramer-Mills, Wilhelminische Moderne und das fremde Christentum. Zur Wirkungsgeschichte von Friedrich Naumanns "Briefe über Religion". Neukirchen-Vluyn 1998. |
| [10] | Friedrich Naumann, Die Freude, in: Die Freude. Ein deutscher Kalender für das Jahr 1903. Düsseldorf, Leipzig 1902, S. 22-37, hier: S. 24. |
| [11] | Rüdiger vom Bruch (Hg.), Friedrich Naumann in seiner Zeit. Berlin, New York 2000. |
| [12] | Eine erste Zusammenstellung von Brieffunden ist bereits 1996 im Findbuch des Bundesarchivs publiziert worden, vgl. Krey/Trumpp (wie Anm. 5), S. XL-XLV. Die Robert Bosch Stiftung finanzierte dann von September bis Dezember 1998 weitere Archivreisen, die ergiebige, aber noch keineswegs abschließende Ergänzungen der Fundliste ermöglichten. |
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© |
Arbeitsgemeinschaft außeruniversitärer historischer
Forschungseinrichtungen in der Bundesrepublik Deutschland e.V., 2000. |