Heinz Angermeier, Erich Meuthen und Eike Wolgast

Die Reichstagsakten-Edition

Zum Stand des Forschungsunternehmens der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

Die Erschließung und Edition der deutschen Reichstagsakten, von Leopold Ranke 1858 bei der Gründung der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ins Leben gerufen, wurde zunächst nur in einer (der jetzigen älteren), dazu ab 1886 in einer weiteren (der jüngeren), seit 1930 in einer dritten (der mittleren) und schließlich seit 1986 noch in einer vierten (Reichsversammlungen 1556 - 1662) Abteilung vorangetrieben. Auf diese Weise wurden in einer glänzenden Anfangsphase der ersten zwei Abteilungen bis 1914 bereits 18 starke Bände herausgebracht. Darauf folgte freilich bis in den Anfang der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts hinein eine Durststrecke, bedingt durch finanzielle, politische, personelle und auch konzeptionelle Probleme, in der nur mehr fünf Bände erscheinen konnten (1925, 1928, 1935, 1956 und 1963), so daß dieser große Forschungsimpuls fast zum Erliegen kam und nur durch Hermann Heimpel mühsam erhalten wurde.

Erst mit Beginn der siebziger Jahre kam es dann zu einem Wiederaufleben dieses für die deutsche Geschichtswissenschaft bedeutenden Forschungszweiges, gefördert durch die finanzielle Besserstellung der Historischen Kommission wie auch durch beträchtliche Zuschüsse der Wirtschaft (Volkswagen-Stiftung) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft, aber nicht minder durch eine neue Generation von Initiatoren (besonders Heinrich Lutz und Friedrich Hermann Schubert) und schließlich durch neue Konzeptionen, in welchen deutlich wird, daß es sich bei diesem Neuaufleben nicht einfach um Epigonentum handelte. Mit gutem Grund kann, von den Intentionen und Leistungen der siebziger Jahre ausgehend, schon rein äußerlich von einer gegenwärtigen zweiten Blütezeit der Reichstagsakten-Edition gesprochen werden. Denn in den letzten 25 Jahren wurde das gesamte Editionsvorhaben der Historischen Kommission durch die Vorlage von 13 umfangreichen, meist mehrteiligen Bänden beachtlich weitergeführt, weitere 12 Bände sind bereits in Bearbeitung oder stehen kurz vor der Fertigstellung, und mit der Gründung der vierten Reihe "Reichstagsakten - Reichsversammlungen 1556 - 1662" im Jahr 1986 wurde auch Vorsorge getroffen für die Zeit nach 1555, wodurch die deutsche Frühneuzeit-Forschung eine weitere bedeutsame Grundlage erhält.

Was aber nun die inhaltliche Intensivierung der Reichstagsaktenedition durch neue Konzeptionen in der jüngsten Phase dieses Forschungsunternehmens betrifft, so werden Wert, Charakter und Grenzen des Reichstagswesens in der deutschen Geschichte erst dann erkennbar, wenn man sie als die volle editorische Realisierung von Julius von Weizsäckers Worten im Vorwort des ersten Reichstagsaktenbandes von 1868 versteht (RTA Ältere Reihe Bd. 1, S. LIV). Er sagt dort, es "sei schwer, wenn nicht unmöglich, zu sagen, was ein Reichstag ist". Deshalb halte er es für wichtig, "alle diejenigen Zusammenkünfte von Reichsständen in die Sammlung aufzunehmen, deren Berathungen sich auf Reichssachen beziehen, und die vom König berufen oder wenigstens ... in seiner Anwesenheit gehalten wurden". Die Realisierung dieses Gedankens führte zunächst dazu, daß sich die im Fortschreiten des 15. Jahrhunderts vollziehende Ablösung der militärischen Lehenspflichten durch angemessene Ersatzleistungen, auch durch die gewachsene Eigenständigkeit der Territorien und Dynastien und schließlich angesichts der beachtlichen Finanzkraft der Städte ebenso auf eine Erweiterung und neue Kompetenzen des Reichstags auswirken mußten, wie die Hussiten-, Türken- und Ungarnkriege. Dadurch wurden Sonderverhandlungen, Spezialversammlungen, auch Juristen-, Theologen- und Finanzgutachten nötig und erhielten präjudizierende Bedeutung. Auch kam es seitdem zu eigenen Kurfürsten-, Fürsten-, Städte-, Kreis-, Reichsregiments-, Deputations- und Konfessionstagen sowie zu zahlreichen neuartigen Ausschußbildungen. Und dies alles ist notwendigerweise bereichernd, vervollständigend und konkretisierend in die entsprechenden Reichstagsakten eingegangen und hat gezeigt, was die Reichstage im Ganzen gewesen sind, gebracht und bedeutet haben. Im Sinne einer Erweiterung des Forschungsansatzes wurde die Edition zum Reichstag 1495 nicht mehr in rein chronologischer Weise, sondern dazu auch in der räumlichen Gliederung des Reiches behandelt. In den Reichstagsakten 1501-1503 und 1521-1524 hat auch die Reichsregimentsregierung einen eigenen Platz, wie in die Editionen der 1520er Jahre die Verhandlungen der Rittertage einbezogen wurden. Der 8. Band der jüngeren Reihe war ausschließlich den Städtetagungen nach 1528 gewidmet, und in die Edition zum Reichstag 1532 wurden die Schweinfurter Konfessionsverhandlungen gesondert aufgenommen. Die neue, vierte Reichstagsabteilung trägt dann überhaupt den Titel "Reichstagsakten - Reichsversammlungen 1556 - 1662" und ihre Planung ist entsprechend angelegt.

Freilich ist dann diese aus vielen Gründen nötige Erweiterung des Reichstagswesens im 15. und 16. Jahrhundert nicht einfach bereits als Verfestigung, endgültige Institutionalisierung und Verselbständigung der Reichstage zu verstehen. Die Vermehrung der Geschäfte, der Beratungen und Spezialversammlungen hatte auch Komplizierungen im Verfahren und vor allem eine Verzögerung der Entscheidungen zur Folge, noch mehr aber brachte die Stärkung der ständischen Interessenvertretung auch zahlreiche Spaltungen, die sich je länger desto mehr als Schwächung des Reichstagswesens auswirkten. Schon auf dem ersten Reichstag, der mit der Gliederung der Stände in drei Kurien und der vermeintlich geschlossenen Konfrontation von König und Ständen eine Verfestigung der Institution andeutete, nämlich in Nürnberg 1487, war auch die Spaltung in besondere kurfürstliche und fürstliche Interessen bereits eingetreten. Im 16. Jahrhundert trat diesen innerständischen Differenzierungen dann zuerst die katholisch-evangelische, später auch noch die innerevangelische Interessenspaltung zur Seite.

Erst wenn man diese beiden Tendenzen des Reichstagswesens, also einerseits die erweiternden, institutionalisierenden und verselbständigenden, andererseits die spaltenden und durch Parteiungen, Kompromißzwänge und entsprechende Einflußmöglichkeiten des Kaisertums auch schwächenden zusammennimmt und ihre jeweilige Erfassung in der Aktenedition als zwei einander bestimmende Elemente der Institution erkennt, wird klar, daß von einlinigen Entwicklungen und schlüssigen Definitionen in der Geschichte des Reichstags nicht die Rede sein kann. Vielmehr hat Julius von Weizsäcker wohl die richtigen Wege gewiesen, und die seitdem erarbeiteten Akteneditionen haben ein realistischeres Bild gegeben. Wie bedeutend darum der Reichstag als Reichsinstitution auch war, stark verwurzelt in der Reichstradition und unentbehrlich für den politischen Entscheidungsprozeß, so war er doch weder der bloße Repräsentant eines ständischen Reichsverständnisses noch Promotor eines eigenen deutschen Staatsverständnisses. Die Reichstagsabschiede waren nie Zeugnisse von Sieg oder Niederlage, sondern sie waren Kompromisse, und im Ausgleich der diversen Interessen lag die eigentliche politische Aufgabe und Leistung des Reichstags. Er war und blieb so bis zum Ende des Reichs 1806 jene Institution, welche die Konkordanz von Kaiser und Ständen bei der Führung der Reichspolitik herstellte und garantierte.

Zwar ist derzeit der Abschluß des Editionsprogramms Reichstagakten noch nicht in Sichtweite, insbesondere natürlich nicht in der noch in den Anfängen stehenden vierten Reihe, und die Begründung einer fünften Reihe zur Erfassung des Immerwährenden Reichstags zu Regensburg 1663-1806 kann noch nicht einmal ins Auge gefaßt werden. Immerhin zeigen aber doch die Aktivitäten wenigstens in den drei älteren Abteilungen den Aufbruch in die abschließende Phase an, so daß es angebracht erscheint, hier über den derzeitigen Stand des Unternehmens in allen vier bestehenden Abteilungen einen Überblick zu geben.

1. Ältere Reihe (1376-1485), Leiter: Erich Meuthen

Im Rahmen der Älteren Reihe sind für den Zeitraum 1376-1485 insgesamt 24 Bände vorgesehen. Bisher erschienen sind 17 Bände, die bis 1445 reichen, sowie zwei Teilbände 19/1 (1453-1454, Reichstag zu Regensburg 1454, herausgegeben von Helmut Weigel und Henny Grüneisen, erschienen 1969) und 22/1 (1468-1470, Reichstage zu Regensburg 1469 und Nürnberg 1470 samt Akten zur Romreise Friedrichs III. 1467-1469 sowie zum Weißenburger Krieg 1469-1471, herausgegeben von Ingeborg Most-Kolbe, erschienen 1973), beide nach jeweils etwa 30jähriger Arbeit. Vor dem Abschluß steht der Teilband 19/2 (Frankfurter Reichstag 1454, herausgegeben von Johannes Helmrath), im Druck befindet sich der Teilband 22/2 (Großer Christentag zu Regensburg 1471, herausgegeben von Helmut Wolff), in Vorbereitung ist der Teilband 19/3 (Reichstag zu Wiener Neustadt 1455, herausgegeben von Gabriele Annas).

Die schon erwähnten personellen und konzeptionellen Probleme kennzeichnen die Arbeiten an der Älteren Reihe in ganz besonderem Maße, so der vorzeitige Tod von Henny Grüneisen und Ingeborg Most-Kolbe, auch mehrfacher lebensgeschichtlich bedingter Mitarbeiterwechsel usw., was zu zeitraubendem, jeweiligem neuen Sich-Einarbeiten in den umfangreichen Stoff und in die komplizierten Editionsprobleme führte. Der raschere Erscheinungsrhythmus der älteren Bände beruhte auf der weitaus geringeren Masse einschlägiger Quellen, die zu berücksichtigen waren. Aus sachlichen Gründen, aber auch im Hinblick auf einen in nicht allzu ferner Zeit zu wünschenden Abschluß der Reihe stellt sich in diesem Zusammenhang allerdings auch die Frage, wieweit die zeitgeschichtlichen Bedingungen und das politische Umfeld in derselben Weise editorisch zu erschließen sind wie die Reichstagsakten in dem, wie aber oben schon angedeutet, ebenfalls noch recht offenen, aber denn doch restriktiveren Sinne, in dem sie sich als Reichstagsakten von Akten zur Reichsgeschichte überhaupt unterscheiden, so wie diese in breitem Strome vor allem in die beiden ersten Teilbände von Band 19 und 22 eingeflossen sind. Vorerst wird also ein breiteres historisches Panorama für die jeweils zur Rede stehenden Jahre geboten, als es die Titel dieser Bände vermuten lassen. In diachronischer Hinsicht wird die Entfaltung eines solchen Panoramas im übrigen allerdings durch die Bearbeitungslücken zwischen den Bänden 17 und 19 sowie 19 und 22 noch empfindlich gestört. Andererseits macht die wünschenswerte Homogenität der ganzen Reihe editorische Kompromisse nötig, die sich aber auch aus dem großen Wandel ergeben, in dem sich die Aktenüberlieferung jener Zeit selbst befindet. Mit verfassungsgeschichtlichem Bedacht gelesen, geben die Akten gerade jener Reichsversammlungen, die von den jüngsten Bänden erschlossen werden, Einblick in die Vielschichtigkeit der deutschen Geschichte des 15. Jahrhunderts und wie stark sie sich nicht zuletzt in die europäische Geschichte einzuflechten beginnt.

2. Mittlere Reihe (1486-1518), Leiter: Heinz Angermeier

Von den schon durch Willy Andreas vergebenen vier Reichstagsaktenbänden sind seit 1972 drei erschienen, nämlich zum Frankfurter Reichstag 1489 (Bearbeiter Ernst Bock), zum Wormser Reichstag von 1495 (Bearbeiter Heinz Angermeier) und zu den Reichstagen in Lindau 1496/97, Worms 1497 und Freiburg 1497/98 (Bearbeiter Heinz Gollwitzer), während der vierte Band zum Augsburger Reichstag 1512 nach dem Tod von Friedrich Hermann Schubert vorerst aufgegeben wurde. Der dabei verfolgte Plan einer Bearbeitung der Reichstage in der Maximilianszeit in vier großen Blöcken (1486-1495, 1496-1504, 1504-1511, 1512-1518) wurde dann seit 1974 nicht weiterverfolgt und statt dessen eine streng chronologische Reihenfolge der Reichstage bei den Bearbeitungen eingeführt. Demgemäß erschien 1989 Band I zum Frankfurter Reichs- und Wahltag 1486 (Bearbeiter Heinz Angermeier), und im November 1996 wurde Band II zum Nürnberger Reichstag 1487 (Bearbeiter Reinhard Seyboth) fertiggestellt, der sich im Druck befindet und 1998 erscheinen dürfte. Bereits in Bearbeitung befindet sich Bd. IV zu den Reichstagen in Nürnberg 1491 und Koblenz 1492 (Bearbeiter Reinhard Seyboth), ferner Bd. VII, welcher den Augsburger Reichstag 1500 und die Regierungshandlungen des ersten Reichsregiments 1500-1503 zum Inhalt hat (Bearbeiter Peter Schmid), und schließlich Bd. VIII zum Kölner Reichstag 1505 (Bearbeiter Dietmar Heil), bei dessen Bearbeitung jedoch auch bereits das Archivmaterial zum folgenden Konstanzer Reichstag von 1507 gesammelt wird. In diesen Bericht über die Arbeiten in der Mittleren Reihe ist auch einzuschließen die große Darstellung "Der Gemeine Pfennig von 1495" von Peter Schmid, welche unmittelbar aus der vom Verfasser geleisteten Mitwirkung bei der Edition des Reichstags von 1495 entstanden ist und die dieses erste Reichssteuergesetz (im Unterschied zu den bisherigen Reichshilfeanschlägen) in seinen politischen, verfassungsmäßigen und finanziellen Aspekten erfaßt.

Zu den bereits vorgelegten Editionen der Mittleren Reihe erscheint es in methodischer Hinsicht erwähnenswert, daß der Bearbeitungsstil hier insofern von den Bänden der Älteren wie auch der Jüngeren Reihe abweicht, als die Reichstage in der Zeit Kaiser Maximilians I. weniger als Abschluß erfolgter Reichsentscheidungen erscheinen, denn als Instrument des Kaisers im Rahmen seiner neuen europaweiten Politik. Maximilian hat auf seinen Reichstagen vor allem die Möglichkeiten für seine diversen Absichten gegenüber Italien, Frankreich, Ungarn und den Türken ausgelotet, so daß die Reichstagsbeschlüsse und -gesetze primär Versuchsstadien sowohl hinsichtlich der finanziellen Bedürfnisse wie auch seiner dynastischen Absichten gewesen sind, während sich seine Intentionen zur inneren Reichspolitik ständig im Fluß befanden.

Zu den nach dem Konstanzer Reichstag von 1507 noch ausstehenden Editionen für die Reichstage von 1510, 1512 und 1518 (mitsamt den dabei zu berücksichtigenden Vorversammlungen) ist zu erwähnen, daß zum Reichstag von 1512 bereits beträchtliche Materialsammlungen und auch Vorarbeiten von Friedrich Hermann Schubert und Anton Schindling vorliegen. Immerhin erscheint es gerechtfertigt anzunehmen, daß angesichts des weiten Vordringens in die Regierungszeit Maximilians bei günstigen Verhältnissen ein Abschluß der gesamten Mittleren Reihe absehbar ist.

3. Jüngere Reihe (1519-1555), Leiter: Eike Wolgast

Nachdem die "Reichstagsakten unter Kaiser Karl V." 1886 als eigene Gruppe ausgegliedert worden waren, erschienen zwischen 1893 und 1905 vier Bände (für 1519 bis 1523). Danach begann eine vielfach unterbrochene Phase der Editionsexperimente: Reichstag zu Speyer 1529(1935) und Sondertage zwischen 1529 und dem Augsburger Reichstag 1530 (1970). In den siebziger Jahren konnte Heinrich Lutz für die stagnierende Edition eine feste Arbeitsstelle errichten - seither sind vier, zeitweise drei, hauptamtliche Mitarbeiter mit den Bänden der Jüngeren Reihe beschäftigt; dazu kommen freie Mitarbeiter, zumeist Hochschullehrer, die sich der Edition nur neben ihren amtlichen Verpflichtungen widmen können. Da drei Mitarbeiter aus dem Akademienprogramm der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung finanziert werden, ist von dem Ausschuß der BLK als Zeitpunkt der Beendigung des Projekts "Deutsche Reichstagsakten Jüngere Reihe" das Jahr 2005 festgelegt worden. Um dieser zeitlichen Vorgabe gerecht zu werden und zugleich den Umfang der Bände zu begrenzen, sind in den letzten Jahren die Editionsprinzipien gestrafft und die Wiedergabe des von Reichstag zu Reichstag anschwellenden Materials eingeschränkt worden. Die Erfassung der Überlieferung wird reduziert, auf den Abdruck der oft umfangreichen Korrespondenzreihen zumeist verzichtet. Ebenso werden Nebenverhandlungen und Sondertage nicht mehr berücksichtigt. Im Mittelpunkt der Edition stehen Instruktionen, Protokolle der Kurien- und Ausschußverhandlungen sowie die Verhandlungsakten. Die Bände werden - nach dem Vorbild der ersten vier Bände der Reihe - thematisch nach Verhandlungsmaterien geordnet. Zweck der Edition bleibt, Quellentexte für die Forschung bereitzustellen, sie sehr sparsam zu kommentieren und knappe Einleitungen zu geben, aber differenzierte Register beizufügen.

Zum gegenwärtigen Stand der Arbeiten: In der Zeit zwischen 1530 und 1555 haben zwölf Reichstage stattgefunden (in der Zählung der Jüngeren Reihe: Bd. 9-20). Bd. 10 (Regensburg 1532) ist 1992 erschienen (Bearbeiterin Rosemarie Aulinger), Bd. 15 (Speyer 1544) liegt druckfertig vor (Bearbeiter Erwein Eltz). Bd. 12 (Speyer 1542) wird zum Jahresende 1998 im Druckmanuskript vorliegen (Bearbeiterin Silvia Schweintzer). In der Arbeitsstelle wird gegenwärtig an folgenden Reichstagen gearbeitet: Bd. 13 (Nürnberg 1542; S. Schweintzer), Bd. 16/17 (Worms 1545/Regensburg 1546; R. Aulinger), Bd. 18 (Augsburg 1547/48; Ursula Machoczek) und Bd. 19 (Augsburg 1551; E. Eltz). Von freien Mitarbeitern werden bearbeitet Bd. 9 (Augsburg 1530; Alfred Kohler), Bd. 11 (Regensburg 1541; Albrecht P. Luttenberger), Bd. 14 (Nürnberg 1543; Friedrich Edelmayer), Sonderband Gravamina (Annelies Grundmann). Die Arbeiten am Schlußband 20 (Augsburg 1555) sollen im Jahr 2000 aufgenommen werden.

4. Reichsversammlungen 1556-1662, Leiter: Heinz Angermeier

Nach den ausführlichen Darlegungen über die archivalischen Voraussetzungen, die Editionsmethoden und die Erscheinungsweise der Bände in dieser vierten Reichstagsaktenreihe im "Jahrbuch der historischen Forschung in der Bundesrepublik Deutschland" 1986, S. 39-46 kann zu den unmittelbaren Arbeitsvorhaben und -ergebnissen berichtet werden, daß zunächst die Phase der relativen neuen Reichskonsolidierung aufgrund des Augsburger Religionsfriedens, also zwischen 1556 und 1586, in Angriff genommen wurde. Dazu befindet sich dank besonders günstiger Möglichkeiten auch die letzte Reichsversammlung des Abteilungszeitraums, nämlich der Frankfurt-Regensburger Reichsdeputationstag von 1655-1662, bereits in Bearbeitung, womit auch eine spätere Inangriffnahme des Regensburger Immerwährenden Reichstags erleichtert wird. Vorweg zu sagen ist auch, daß die Gründung bzw. die Arbeit dieser vierten Abteilung erst möglich wurde durch beträchtliche Finanzbewilligungen der Volkswagenstiftung wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft, welch letztere auch bisher stets den Druck finanzierte. Dazu kamen die Eigenleistungen der Historischen Kommission für Hilfskräfte und Sachkosten. Erst 1997 konnte die Kommission aus ihrem eigenen Etat eine hauptberufliche Mitarbeiterstelle zur Verfügung stellen, was praktisch bedeutet, daß die Mehrzahl der derzeit in Arbeit befindlichen Bände von beamteten Professoren bei starker Unterstützung durch studentische Hilfskräfte erstellt wird, was natürlich entsprechende Verzögerungen bei der Fertigstellung zur Folge haben wird.

Immerhin konnten trotz dieser einschränkenden Bedingungen in den elf Jahren seit dem Bestehen der Abteilung bereits die Editionen zu drei Reichsversammlungen fertiggestellt werden, nämlich zum Reichstag zu Speyer 1570 (Bearbeiter Maximilian Lanzinner), ferner zum Reichsdeputationstag zu Worms 1586 (Bearbeiter Thomas Fröschl) und zum Kurfürstentag 1558 und Reichstag 1559 zu Augsburg (Bearbeiter Josef Leeb). Zu diesen Editionen kamen zwei umfangreiche Studien hinzu, welche das politische bzw. das ständische Umfeld der Reichsversammlungen beleuchten, nämlich "Friedenssicherung und politische Einheit des Reiches unter Kaiser Maximilian II." von Maximilian Lanzinner und "Die Reichspolitik Bayerns in der Zeit Herzog Albrechts V." von Dietmar Heil. Beide erscheinen in der Schriftenreihe der Historischen Kommission (letztere im Druck befindlich).

Nach den vorliegenden Berichten stehen aber auch die Akteneditionen der Reichstage zu Regensburg 1556 (Bearbeiter Rolf Decot) und zu Augsburg 1566 (Bearbeiter Maximilian Lanzinner) kurz vor dem Abschluß. Für die Reichstage zu Regensburg 1567 und den anschließenden Erfurter Reichskreistag (Bearbeiter Maximilian Lanzinner), ferner zu Regensburg 1576 mit der Wahl Kaiser Rudolfs II. (Bearbeiter Helmut Neuhaus) und zu Nürnberg 1582 (Bearbeiter Josef Leeb) ist die Bearbeitung noch voll im Gange. Dies gilt auch für den großen Reichsdeputationstag der Jahre 1655-1662 zu Frankfurt und Regensburg, der zwar vom Kaiser unterhalten wurde, um einen neuen Reichstag mit drohender Wahlkapitulation und Kriegsverfassung hinauszuschieben, aber gleichwohl dann zum Regensburger Immerwährenden Reichstag führte. Die Edition wurde Matthias Schnettger übertragen, dessen Münsteraner Dissertation eine gute Vorbereitung für die Edition darstellt. Lediglich für den wichtigen Reichsdeputationstag 1564 und das von Kaiser Ferdinand I. berufene Religionsgespräch zu Worms 1557 gibt es derzeit noch keine Editionsmöglichkeiten. Im Ganzen darf jedoch resümiert werden, daß die editorische Erschließung der gesamten ersten Phase 1556-1586 sich bestens entwickelt und eine gediegene Grundlage bieten wird, wenn in dieser Abteilung die Krise des Reichstags im Schatten des Dreißigjährigen Krieges in Angriff genommen wird. Ausdrücklich muß jedoch darauf hingewiesen werden, daß eine volle historische Wertung und Nutzung der Reichstagsakten für die Reichsgeschichte erst möglich ist, wenn auch die in Wien in Arbeit befindlichen kaiserlichen Korrespondenzen mit den verwandten Höfen in Madrid und den Niederlanden vorangehen, weil erst dann der ganze Horizont der Reichspolitik erfaßt werden kann.

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