AHF - Arbeitsgemeinschaft historischer Forschungseinrichtungen

Seriöse historische Forschung kann sich für die Quellenwahl nicht auf Wikipedia oder kommerzielle Offline-Lexika stützen. Nur authentische, verlässliche wissenschaftliche Datensammlungen liefern die Grundlage glaubwürdiger Forschung. Besonders aufwendig ist die Erforschung historischer Sachverhalte, wenn kein Universitätsbudget und keine universitäre Datenbank den Forscher unterstützen.

Wissenschaftliche historische Forschung, außerhalb universitärer Organisationen zu betreiben und zu fördern, war der Zweck der AHF. (Arbeitsgemeinschaft historischer Forschungseinrichtungen in der Bundesrepublik Deutschland e.V.). Zum Bedauern der Fachwelt löste sich der Verein, mit Beschluss vom 20. September 2013 zum Jahreswechsel 2013/2014 auf.

Arbeitsgemeinschaft historischer Forschungseinrichtungen - Rückblick



Gegründet wurde die Arbeitsgemeinschaft historischer Forschungseinrichtungen im Jahr 1972. Das Projekt finanzierte sich vorwiegend aus staatlichen Fördermitteln des Freistaates Bayern. Kernziel war es von Anfang an, die außeruniversitäre historische Forschung zu fördern. Historikern sollte der Zugang zu teils unveröffentlichter Fachliteratur und Aufsätzen anderer Fachexperten ermöglicht werden.

Bereits 1974 erschien das erste Jahrbuch der historischen Forschung. Die Besonderheit war, dass mehrheitlich die gesammelten Titel von den Autoren selbst zur Aufnahme in das Jahrbuch (JB) gemeldet wurden. In gleicher Weise wurde (ab 1986) mit der historischen Biografie (HB) verfahren.

Jahrbuch und historische Biografie sind damit hochwertige Informationsquellen, die von Historikern der anerkannten Forschungsinstitutionen selbst angelegt wurden. Sie liefern Geschichtsforschern Ansatzpunkte zur wissenschaftlich legitimen Recherche. Bisher unveröffentlichte Dokumente zeigen Sachverhalte aus neuen Perspektiven und bieten Anknüpfungspunkte für eigene historische Forschungsprojekte.

Das Jahrbuch dokumentierte noch unveröffentlichte Fachliteratur. Redaktionell ergänzte die Arbeitsgemeinschaft historischer Forschungseinrichtungen die Veröffentlichung des HBs um die Auswertung geschichtswissenschaftlicher Zeitschriften. Integriert wurden außerdem andere veröffentlichte Titel. Sie entstammten vorwiegend eigenständigen Sammlungen der Bayerischen Staatsbibliothek.

Im Jahr 1979 erhielt der Verein seine endgültige Rechtsform als gemeinnütziger Verein. Jahrbuch und historische Biografie erschienen seither jährlich. Insgesamt förderten 90 außeruniversitäre Mitgliedsinstitutionen den Verein, bei über 30 Jahren Engagement für historische Dokumentationen. Im Internetzeitalter hinzu kamen Newsletter, Veranstaltungskalender, Buchanzeigen und Tagungsberichte. Ab 2010 ging AHF mit einer zusätzlichen, frei zugänglichen Datenbank online. Sie wurde in Kooperation mit dem Oldenbourg Verlag betrieben.

Abruptes Ende des Vereins - das Projekt lebt weiter



Im AHF-Newsletter vom Dezember 2013 begründet Helmut Zedelmaier (damals Geschäftsführer und leitender Redakteur) die Auflösung des Vereins. Beschlossen wurde die Einstellung des Vereinsbetriebs aufgrund fehlender finanzieller Ressourcen. Ursprünglich basierte die finanzielle Tragfähigkeit des Projektes, auf den Fördermitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, Wissenschaft und Kunst.

In den letzten neun Jahren, so Helmut Zedelmaier, hatte sich die Zuwendung des Freistaates Bayern an die AHF drastisch verkürzt. Zwar war es dem Verein gelungen, die Eigenfinanzierung erheblich auszubauen, zum Ausgleich schwindender öffentlicher Fördermittel reichte es jedoch nicht. Denn, nur noch etwa 50 Prozent der ursprünglichen Subventionen waren am Ende seiner Amtszeit verblieben. Als permanent unterfinanzierte kleine Einrichtung blieb der AHF schließlich nur der radikale, schmerzhafte Schritt den Verein aufzulösen.

Trotzdem geht das Projekt der historischen Forschung nicht ganz verloren. Alle Mitarbeiter des Vereins wechselten als Angestellte zur Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Ihre Aufgabe dort wird sich mit dem Kernprodukt der AHF, der bibliografischen Dokumentation historischer Forschung, decken. Geplant war damals außerdem, die bibliografische Onlinedatenbank mit damals etwa 365.000 Titeln, in anderer Trägerschaft weiter zu betreiben.

FAQ zur AHF - häufig gestellte Fragen



Was geschah mit der Homepage der AHF?

Eine Konsequenz der Vereinsauflösung war die Einstellung der von der Arbeitsgemeinschaft historischer Forschungseinrichtungen in der Bundesrepublik Deutschland e.V. betrieben Homepage. Sie ging sogar eine Zeit lang ganz vom Netz.

Betrieben wird die Seite ab 2016, in Anerkennung der Leistungen des Vereins bei der Unterstützung außeruniversitären historischen Forschungseinrichtungen. Weder Betreiber noch Redakteure sind identisch mit dem ehemaligen Team.

Für den AHF-Newsletter - registrieren noch möglich?

Die bis Dezember 2013 monatlich veröffentlichten Formate sowie der AHF-Newsletter erscheinen nicht mehr. Eine aktive thematische Nachfolge des Projektes wird über die heutige Homepage nicht angeboten. Daher ist auch keine Newsletter-Registrierung zu den früheren Inhalten möglich.

Bestehen die Archive der früheren AHF noch?

Außeruniversitäre historische Forschung ist ohne die umfassenden Archive der Arbeitsgemeinschaft historischer Forschungseinrichtungen in der Bundesrepublik Deutschland e.V. nicht mehr einfach. Dem Webseitenbetreiber stehen die Archive der früheren Seite leider nicht zur Verfügung.

Wie können ältere Titel online gefunden werden?

Wo heute ein bestimmter Titel der alten Homepage online abrufbar ist, kann leider nicht beantwortet werden. Die Datenbank, auf die sich frühere Inhalte bezogen, wird heute noch vom Oldenbourg Wissenschaftsverlag auf der Verlags-Homepage angeboten.

Ob nur alte Archive online stehen oder an neuen Veröffentlichungen gearbeitet wird, können wir nicht beantworten. Zumindest in den ersten drei Monaten des Jahres 2016 ist kein neuer Titel hinzugekommen.

Eigene Recherchen zeigen außerdem, dass Google-Books ältere Veröffentlichungen aufgenommen hat. Sonst bleibt Historikern leider nur der traditionelle Weg zu Universitätsarchiven und Staatsarchiven für ihre Forschungen.
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